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Vernissage der kiezköpfe-Ausstellung

Foto: Schillerwerkstatt

In den letzten Wochen haben wir zusammen mit interkular unter großem Zeitdruck die Ausstellung „kiezköpfe“ auf die Beine gestellt, die bis Mitte 2020 an verschiedenen Orten im Schillerkiez zu sehen ist.

Foto: Schillerwerkstatt

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl an Geschichten, die im Rahmen unterschiedlicher Projekte zusammen getragen wurden. Im März und im Dezember 2018 veröffentlichte die Schillerwerkstatt die Magazine „Mensch, Alter” und „Kiezköpfe”. Aus dem großen Fundus an Interviews und Reportagen, die hier publiziert wurden, haben wir insgesamt sieben für die Wanderausstellung ausgewählt. Ihr findet sie auch in der Dokuthek.

Foto: Karolin Korthase

„interkular“ sammelte 2018 und 2019 im Rahmen der Nachbarschaftsarbeit Geschichten von Menschen und Orten, die auf der Website kiezbegegnung.de und über den „Kiezplan“ entdeckt werden können. Von diesen Geschichten sind insgesamt fünf Teil der „kiezköpfe“-Ausstellung.

Foto: Schillerwerkstatt

Die Vernissage fand am 13. Dezember 2019 in der neuen „Kiezkapelle“ auf dem St. Jacobi Friedhof statt. Obwohl die aufwändig sanierte Kapelle (Baujahr 1879) nahe des S-Bahnhofs Hermannstraße teilweise noch eine Baustelle ist, organisierte Campus Cosmopolis hier eine wundervolle Winterfeier mit Live-Musik, leckerer Suppe und vielen internationalen Gästen allen Alters.

Foto: Schillerwerkstatt

Vom 16. Dezember 2019 bis zum 9. Februar 2020 gastiert die Wanderausstellung im Warthe-Mahl in der Warthestraße 46.

Weitere Termine und Ausstellungsorte:

11.02. bis 08.03.2020
Nachbarschaftstreff Schillerkiez
Mahlower Straße 27, 12049 Berlin

10.03. bis 05.04.2020
Café Loislane,
Emser Straße 41, 12051 Berlin

07.04. bis 10.05.2020
Café Blume
Fontanestraße 32, 12049 Berlin

12.05. bis 08.06.2020
Interkular
Lichtenrader Straße 12, 12049 Berlin

kiezköpfe – Eine Wanderausstellung

Unsere Kiezköpfe machen sich auf Wanderschaft: Die Ausstellung zeigt eine Auswahl an Geschichten, die im Rahmen unterschiedlicher Projekte zusammen getragen wurden. Im März und im Dezember 2018 veröffentlichte die Schillerwerkstatt die Magazine „Mensch, Alter” und „Kiezköpfe”. Aus dem großen Fundus an Interviews und Reportagen, die hier publiziert wurden, haben wir insgesamt sieben für die gemeinsam mit Interkular realisierte Wanderausstellung ausgewählt. Ihr findet sie auch in der Dokuthek. Los geht’s am 13. Dezember um 16:30 Uhr mit der Vernissage in der neu umgebauten Kapelle St. Jacobi.

Hier die Orte und Termine im Überblick:

Vernissage am 13.12.2019 ab 16:30 bis 21:00 Uhr
Kapelle auf dem St. Jacobi Friedhof
Hermannstraße 99-102, 12051 Berlin

16.12.2019 bis 09.02.2020
Nachbarschaftscafé Warthe-Mahl
Warthestraße 46, 12051 Berlin

11.02. bis 08.03.2020
Nachbarschaftstreff Schillerkiez
Mahlower Straße 27, 12049 Berlin

10.03. bis 05.04.2020
Café Loislane,
Emser Straße 41, 12051 Berlin

07.04. bis 10.05.2020
Café Blume
Fontanestraße 32, 12049 Berlin

12.05. bis 08.06.2020
Interkular
Lichtenrader Straße 12, 12049 Berlin

Mitstreiter*innen gesucht!

Als Schillerwerkstatt sind wir seit dem Sommer 2015 aktiv und haben uns dem Ziel der Förderung von Medienkompetenz und des nachbarschaftlichen Zusammenhalts im Schillerkiez verschrieben. Um einen Einblick in unsere Arbeit zu bekommen, könnt ihr einfach auf unserer Webseite stöbern und/oder einen Blick in unser Handbuch werfen.

Zur Stärkung unseres Teams und um unsere Angebote nachhaltig verankern zu können, suchen wir Mitstreiter*innen, die sich in Projekten rund ums Thema Medien engagieren wollen.

Als Teammitglieder könnt ihr euch in alle Bereiche der Projektarbeit (Entwicklung, Fördermittelakquise, Umsetzung) leitend, unterstützend oder begleitend einbringen und somit die inhaltliche Ausrichtung eines jeden Projektes mitbestimmen.

Falls jemand auch abseits der konkreten Projektarbeit die Schillerwerkstatt unterstützen möchte, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten sich im Rahmen der Vereinsarbeit zu engagieren. Einen Auszug unserer Vereinssatzung findet ihr im Menüpunkt Über uns.

 

Wenn ihr an einer Zusammenarbeit interessiert seid, schickt uns bitte bis zum 22.06.2019 eine E-Mail an info@schillerwerkstatt.de.

Schreibt uns am besten auch in welchem Bereich ihr euch gerne engagieren wollt; z.B. welche Art von Medienprojekte ihr gerne umsetzen wollt.

 

Wir freuen uns auf Post von euch!

Vielen Dank!

Euer Team der Schillerwerkstatt

Die Straße gehört uns allen!

Am 5. Mai werden wir uns an der Putzaktion der Schillerkieznachbarn beteiligen und gemeinsam die Schillerpromenade vom Müll befreien.

Im Rahmen dieser Aktion wird die Schillerwerkstatt einen begleitenden Filmworkshop für Kinder anbieten, bei dem wir uns gemeinsam u.a. mit folgenden Fragen auseinandersetzen wollen: Wer nutzt diesen Weg? Wem fällt es leichter, oder schwerer? Wer kommt eher in Kontakt mit dem Müll auf dem Fußboden? Welche Gefahren birgt der Müll auf der Straße? Was könnte verändert werden?

Ziel ist es noch am gleichen Tag den von den beteiligten Kindern selbst gedrehten und geschnittenen Kurzfilm fertigzustellen u.a. hier zu veröffentlichen.

Veranstaltungslink auf Facebook

Kiezköpfe

Seit der Öffnung des Tempelhofer Feldes vor zehn Jahren hat der Schillerkiez gravierende Veränderungen durchgemacht. Touristenmassen pilgern, vor allem im Sommer, durch die Straßen. Auf dem Wohnungsmarkt wird die Lage von Jahr zu Jahr angespannter. Dass sich der Kiez, trotz des enormen Zuzugs und des sich verändernden Straßenbildes, bisher einen fast schon dörflichen Charakter beibehalten konnte, ist den Menschen zu verdanken, die sich mit ihrem unermüdlichen Engagement für Zusammenhalt und Nachbarschaftlichkeit einsetzen. Ihnen ist dieses Heft gewidmet.

Altersübergreifend und vielstimmig erzählen sie davon, was sie bei ihrem Engagement antreibt und wofür sie einstehen. Sie berichten von Leidenschaften und Hindernissen, alltäglichen Übeln und Erfolgserlebnissen.

Neben den Ehrenamtlichen kommen aber auch Menschen zu Wort, die Läden oder Kneipen betreiben. Manche schon seit vierzig Jahren, andere erst seit kurzer Zeit. Als „Kiezköpfe“ prägen auch sie den Charakter des Schillerkiez maßgeblich mit.

Eine besondere Rolle kommt hier, aus aktuellem Anlass, dem Syndikat zu. Nach 33 Jahren wurden den Betreiber*innen der Kultkneipe gekündigt. Sie kämpfen nun darum, in ihren Räumlichkeiten in der Weisestraße bleiben zu dürfen. Wir hoffen, sehr, dass ihnen dass gelingt.

Einige der Akteure findet ihr in der Dokuthek.
Das gesamte Heft kann hier als PDF angeschaut werden:

Als Printversion können die „Kiezköpfe“ an folgenden Orten mitgenommen werden:

  • Nachbarschaftstreff im Schillerkiez, Mahlower Straße 27
  • Syndikat, Weisestraße 56
  • die Taschengeldfirma, Flughafenstraße 62
  • Änderungsschneiderei Christiane Gluch, Herrfurthplatz 4
  • Landsmann Spirituosen & Weine, Herrfurthplatz 11
  • Nachbarschaftshaus Vielfalt, Karlsgartenstraße 6
  • Quartiersmanagement Schillerpromenade, Schillerpromenade 10
  • Antiquariat am Hermannplatz, Hobrechtstraße 14

    Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre!

Auf großer Leinwand: Kiezfilme im Cineplex

Einmal im Jahr können Kinder und Jugendliche aus dem Schillerkiez ihre Filme auf der großen Leinwand präsentieren. (Foto: Anke Hohmeister)

Was bewegt Kinder und Jugendliche im Schillerkiez? Das erzählen sie uns in ihren Kurzfilmen! Am 8. Dezember fand das diesjährige Schillerfilmfest in den Neukölln-Arcaden statt. Gezeigt wurden Kurzfilme, die in Kooperation mit Schulen und Jugendeinrichtungen entstanden sind. Das Filmfest wurde von Martin Hikel, Bürgermeister in Neukölln, eröffnet. Weiterlesen

„Alle Trinkgelder wandern in den Kampf“

Fotos: Anke Hohmeister

Es ist der klassische David gegen Goliath-Kampf, der in Berlin seit einigen Jahren zur Tagesordnung zu gehören scheint. Auf der einen Seite steht ein Mieter, in diesem Falle die linke Kiezkneipe „Syndikat“ aus dem Schillerkiez, und auf der anderen Seite ein Immobilienriese mit Sitz im Ausland, hier die britische Pears Global Real Estate, die mit einem undurchsichtigen Geflecht an Briefkasten-Firmen operiert und von drei schwerreichen Brüdern geführt wird.

Zum 31.12.2018 ist der Mietvertrag des Kneipenkollektivs „Syndikat“ mit einer der Pears’schen Briefkastenfirmen offiziell ausgelaufen. Aber sang- und klanglos lässt sich die Kult-Kneipe, die seit 33 Jahren in der Weisestraße 56 beheimatet ist, nicht einfach vertreiben. Die Betreiber überweisen nachwievor monatlich einen Betrag, der sich an der vorherigen Miete orientiert, das so genannte Nutzungsentgelt. Und auch der Barbetrieb läuft in gewohnten Bahnen weiter. Dass die Gegenseite vor kurzem eine Räumungsklage eingereicht hat, hängt natürlich trotzdem wie ein Damoklesschwert über dem Tresen des „Syndi“. Anstatt sich einschüchtern zu lassen, suchen die Kollektivmitglieder unermüdlich die Konfrontation und mobilisieren den Kiez für ihre Sache. Christian, 41 Jahre alt und seit zwölf Jahren beim Kollektiv mit dabei, erzählt im Interview von absurden Recherchereisen nach London und Luxemburg, vergeblichen Verhandlungsversuchen und der Stimmung im „Syndikat“-Team.

Foto: Anke Hohmeister

2015 hat eine Briefkastenfirma der Pears-Gruppe euer Haus aufgekauft. Hattet ihr damals schon Angst vor Verdrängung?
Wir haben natürlich mitbekommen, was im Kiez los ist, aber wir haben uns hier immer sicher gefühlt. Vor allem, weil unsere Räumlichkeiten so sind wie sie sind: riesig und nach hinten raus total dunkel. Man kann hier drin eigentlich nichts anderes machen außer einem Kneipenbetrieb. Davor waren wir bei einem holländischen Investor, der uns, wie wir inzwischen wissen, als ganzes Paket mit insgesamt 35 Häusern an Briefkastenfirmen der Pears-Gruppe verkauft hat. Das ist ein richtig ausgeklügeltes System, denn zu jedem Briefkasten gehören immer ungefähr 5,6, oder 7 Häuser, sie sich über die ganze Stadt verteilen. Das verhindert natürlich, dass sich die Leute untereinander austauschen können und fällt weniger auf. Berlinweit gehören Pears, nach Angaben der Webseite, die inzwischen offline ist, über 6200 Gewerbe- und Wohneinheiten. Die spielen also ganz oben in der Liga der privaten Immobilienriesen mit.

Wie habt ihr überhaupt rausgefunden, dass ihr zu einer dieser Briefkasenfirmen gehört?
Wir sind nach Luxemburg gefahren und haben dort unter der Eigentümer-Adresse, die auf unseren Papieren angegeben war, nur einen Briefkasten vorgefunden. Kein Büro, nichts. Das ist sogar legal und scheint in unserer kapitalistischen Ordnung kein Problem zu sein.

Ihr habt die Kündigung im Sommer letzten Jahres bekommen. Hattet ihr zwischenzeitlich noch die Hoffnung, dass euer Vertrag verlängert werden könnte?
Auf jeden Fall. Als letztes Jahr unser Mietvertrag auslief und die Kündigung im Raum stand, hieß es zunächst, dass wir gerne über einen neuen Mietvertrag verhandeln können. Das wollten wir natürlich auf jeden Fall, wir hätten auch eine moderate Erhöhung in Kauf genommen. Dann ging das drei Monate hin und her, in denen immer wieder bekräftigt wurde, dass sie mit uns verhandeln wollen, bis dann am 11. September die Ansage kam, dass wir gehen sollen. Das war der Zeitpunkt, an dem wir an die Öffentlichkeit gegangen sind.

Welche Strategie empfiehlt euch euer Anwalt?
Einfach abzuwarten. Die Räumungsklage ist eingereicht. Würden wir keine Miete oder kein Nutzungsentgelt mehr bezahlen, würde sich der Prozess beschleunigen. Wann der Fall vor Gericht kommen wird, kann uns niemand sagen.

Ihr seid nicht nur in Luxemburg gewesen, sondern im Dezember auch in London.
Da ist der Hauptsitz der Pears Gruppe, der sich, wie wir später rausgefunden haben, in einer Privatstraße befindet. Wir hatten sie vorher über Twitter angeschrieben und gesagt, dass wir kommen, aber anscheinend hat uns niemand ernst genommen. Wir sind an einem Dienstag Morgen dann unangemeldet in den Bürokomplex reinmarschiert, in dem auch die Stiftung der Pears-Familie sitzt, und natürlich prompt wieder rausgeflogen. Wir hatten Briefe für die Mitarbeiter dabei, in denen stand, warum wir da sind und auch Flyer. Irgendwann kam dann jemand, der anscheinend etwas zu sagen hatte, sich aber nicht bei uns vorstellte. Als wir ihm erklärten, warum wir da sind, meinte er nur, wir seien am falschen Ort, da die Eigentümer in Luxemburg sitzen würden. Auf unseren Einwand hin, dass es dort nur einen Briefkasten gäbe, meinte er dann, dass das eben Business sei. Außerdem wäre Berlin doch so billig und voller Freiflächen, da sollten wir uns einfach was Neues suchen.

Foto: Anke Hohmeister

Wie hat sich der drohende Rausschmiss aus ihren Räumen auf die Stimmung im Kollektiv ausgewirkt?
Erstaunlicherweise eher positiv. Alle unsere Trinkgelder wandern gerade in den Kampf, vorher haben wir sie immer an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet. Bis jetzt ist trotz der deprimierenden Situation noch keine Frustration da. Die wird sicherlich kommen, spätestens wenn negative Gerichtsurteile da sind.

Rechnet ihr denn damit?
Ja, vermutlich werden wir vor Gericht verlieren. Es ist nur die Frage wie. Es kann sein, dass die Richter sagen, dass uns nach den ganzen Mietjahren eine Abfindung zusteht oder dass wir noch 2, 3 oder 4 Jahre länger bleiben können. Es kann aber auch sein, dass sie uns nach fünf Minuten mitteilen, dass wir sofort raus müssen.

Bekommt ihr Hilfe vom Bezirk?
Die BVV hat sich für unseren Erhalt ausgesprochen. Und auch der Bezirksstadtrat Jochen Biedermann steht voll hinter uns und war schon auf mehreren Kiezversammlungen. Aber der Bezirk kann bei Gewerbemieten leider überhaupt nichts ausrichten. Es müsste meiner Ansicht nach auch einen Milieuschutz für Kleingewerbe geben. Als Gewerbetreibender bist du völlig machtlos. Die können dir im laufenden Vertrag kündigen oder einfach sagen die Miete wird vervierfacht.  Es gibt keinerlei Schutz.

Wie ist die Solidarität im Kiez?
Es ist ein unheimlich großes Interesse da. Es kommen Leute zu uns, die sagen: „Ich mag euren Laden nicht, aber ihr müsst bleiben.“ Es gab bisher überhaupt keine negative Resonanz, auch nicht aus unserem Haus. Als wir die Unterschriften gesammelt haben, kamen in knapp drei Wochen über 4000 Unterschriften zusammen, die hauptsächlich aus dem Kiez stammen.

Was bedeutet dir persönlich das Syndi?
Es ist mein Lebensraum. Es ist ja nicht nur das Arbeiten. Ich treffe mich hier mit Freunden, mit Bekannten. Es ist schon eine Mischung aus Wohnzimmer, Arbeitsplatz, es ist eine Herzensangelegenheit. Anders kann man es auch nicht machen, reich wird man hier nicht.

Syndikat, Weisestraße 56, 12049 Berlin, syndikatbleibt.noblogs.org

Nachtrag d. Red.: Im November 2019 hat das Berliner Landgericht die Kündigung der Eigentümerin „Firman Properties“ (Teil der Pears-Gruppe) für rechtmäßig erklärt und einen Räumungstitel erteilt. Das „Syndikat“ wird in Berufung gegen das Urteil zu gehen.
Dieses Interview ist ursprünglich im Dezember 2018 in unserem Magazin „Kiezköpfe“ erschienen.

Neugierig wie eine Katze

Einen Text über Beate Storni zu schreiben, ist kein leichtes Unterfangen. Nicht weil es zu wenig zu berichten gäbe – ganz im Gegenteil – es ist einfach zu viel. Die 64-Jährige mit der silber-grauen wallenden Haarmähne, die sie nie zum Zopf gebunden, sondern immer offen trägt, kann fesselnd erzählen. Wenn sie mit rauchiger Stimme von ihrer Kindheit am Rande des Tempelhofer Flughafens berichtet, hört man die Tassen im Schrank wackeln und die Dächer vibrieren. Man sieht Kinderhorden durch die damals noch fast autofreien Straßenzüge laufen und erfreut sich an den hunderten Marktständen, die die Schillerpromenade säumten. Als junge Erwachsene zog sie weg aus dem Kiez – zunächst in die Gropius-Stadt, dann in die Weserstraße, die Sonnenallee und nach Tempelhof. Vor vierzehn Jahren kehrte die gelernte Heilerziehungspflegerin in ihre Heimat zurück und prägt den Schillerkiez seitdem mit ihrem Sinn für Nachbarschaftlichkeit und mit einem außergewöhnlichen ehrenamtlichen Engagement.

Du bist im Schillerkiez geboren und hast hier deine Kindheit verbracht. Wie war es für dich unweit des Tempelhofer Flughafens aufzuwachsen?
Es war eine viel ruhigere Zeit als heute, Autos gab es hier damals kaum. Wenn mal eins vorbei fuhr, haben alle geguckt und ansonsten konnten wir als Kinder einfach auf der Straße spielen. Wir waren viel hinten am Flughafen in dieser Schneise zwischen den Friedhöfen und haben da Unfug gemacht. In fast jeder oder in jeder zweiten Parterre-Wohnung war damals ein Gewerbe drin: Einer hatte nur Milch, der andere Schreibwaren, dann gab es Schuster und Schneider. Und zweimal in der Woche fand der große Schillermarkt statt. Der ging die ganze Schillerpromenade lang, in vier Reihen. Beim Einkaufen traf man sich und hatte immer Zeit für einen kurzen Plausch. Es war beschaulich und betriebsam zugleich.

Das klingt ziemlich idyllisch. Hat dich der Fluglärm damals gar nicht gestört?
Na ja, drei vier Mal am Tag, im Sommer zur Ferienzeit sogar noch mehr, musste das Geschirr zurückgeschoben werden. Das war Standard. Wenn sie manchmal zu tief rübergeflogen sind, hast du richtig gemerkt, wie das Dach bebt und das Haus wackelt. Und das waren ja noch die Propellermaschinen. Als die Düsenflugzeuge kamen, wurde es richtig laut: Manchmal, wenn der Fernseher lief, hatte man dann so weiße Krisselstreifen drin und dann war erst mal einen Moment Funkstille, auch Telefonieren ging gar nicht. Aber die Leute waren irgendwie alle daran gewöhnt. Nicht, dass man das jetzt schön gefunden hätte, aber man hatte sich irgendwie damit arrangiert.

Du bist als Jugendliche mit deinen Eltern aus dem Kiez weggezogen und erst 2004 zurückkehrt. Wie hatte sich der Schillerkiez in der Zwischenzeit verändert?
Es war ein bisschen trist, weil viele Leute weggezogen waren. Damals standen etliche Wohnungen leer. Nach und nach kamen dann junge Leute, die sich die schönen Altbauwohnungen – damals in den meisten Fällen noch mit Ofenheizungen – aus Kostengründen in WGs teilten. Das war aber eine langsame Entwicklung – zu der Zeit war der Flughafen ja auch noch in Betrieb.Du bist extrem gut im Schillerkiez vernetzt und engagierst dich seit Jahren ehrenamtlich für unterschiedliche Vereine wie „Kiez in Aktion“ und „Haus 104 Tempelhofer Feld“ oder auch für die Zeitung „Kiez und Kneipe“.

Foto: Anke Hohmeister

Was hat den Startschuss zu deinem ehrenamtlichen Engagement gegeben?
Gut vernetzt war ich hier schon immer. Auch in den Jahren, in denen ich in anderen Ecken gewohnt habe, habe ich die Drähte gehalten. Wie das mit dem Engagement angefangen hat, weiß ich noch ganz genau. Ich hatte eine Karte im Briefkasten, auf der stand: „Wer ist der engagierteste oder netteste Nachbar? Ihr Quartiersmanagement Schillerpromenade.“ Als ich das durchgelesen hatte, dachte ich mir nur: „Was ist denn das für eine Scheiße!“ Ich finde es egal, ob jemand zwei Stunden die Woche was macht oder jeden Tag zehn Stunden. Das kann man doch nicht werten. Ich bin dann in das QM-Büro marschiert und habe die gefragt, ob die noch ganz sauber ticken.Und wie war die Reaktion?Überrascht. Und dann haben sie gesagt: „Ja, das ist ja gut, dass man das so sieht. Dann kommen Sie doch vorbei.“ Und dann dachte ich, „Das sagst du mir nicht zweimal“ und habe angefangen mich im Quartiersrat zu engagieren, auch in der Hoffnung den alten Zusammenhalt wieder herzukriegen. Nachbarschaftshilfe, was heute so hochgehalten wird, das war ja früher eine ganz normale Sache. Man kannte sich im Haus, etliche haben voneinander Schlüssel gehabt und sich unaufgefordert wechselseitig geholfen. Eigentlich schade, dass solche Nachbarschaftlichkeit nicht mehr selbstverständlich ist und dass man ein QM-Büro braucht, damit sich Leute treffen, die so etwas wieder anregen.

Wie ging es dann nach deinem Eintritt in den Quartiersrat weiter?
Ich habe dadurch natürlich Leute kennengelernt, die ich vorher nur vom Sehen kannte. Zu der Zeit hatte ich auch noch meinen Hund und war eh viel im Kiez unterwegs. Es kam dann eins zum anderen und wir haben den Verein „Kiez in Aktion“ gegründet, weil wir festgestellt haben, dass es wichtig ist, dass sich die Leute auch unabhängig vom QM treffen können. Dass wir dann Kooperationspartner vom Nachbarschaftsheim in der Mahlower Straße geworden sind, ist ein Glücksfall. Ich sehr hier täglich, wie das gebraucht wird. Die Nachbarn treffen sich zum Mittagstisch, verabreden sich auch mal lose. Als Ort der Vernetzung ist so ein Treffpunkt unbezahlbar.

Neben deinem Engagement im Nachbarschaftsheim setzt du dich leidenschaftlich für den Erhalt des Tempelhofer Feldes als Freifläche ein.
Das Feld ist einfach unbezahlbar. Die Weite dort, die gute Luft – das finde ich schützenswert. In puncto Bebauung wird ja oft gesagt, dass es nur um partikulare Interessen der Anwohner geht, die nicht wollen, dass man ihnen was vor die Sonne stellt. Das ist totaler Quatsch. Wer sich ein bisschen mit Luftaustausch und Klimaschutz beschäftigt, weiß, dass so große unbebaute Flächen ein Segen für eine Stadt und die Menschen sind, die in ihr wohnen. Und um genau das zu schützen und zu erhalten, habe ich 2012 den Verein 100 % THF mitgegründet. Daraus hat sich dann auch das Engagement für die ehemalige Wetterstation des Feldes, das Haus Nr. 104 ergeben. Das ist ein Ort für Bürgerbeteiligung, für Ausstellungen und Sitzungen, für all das, was von den Leuten, die das Feld bespielen gebraucht wird.

Foto: Anke Hohmeister

Dein ehrenamtliches Engagement entspricht vom zeitlichen Umfang her mit Sicherheit einer Vollzeitstelle …
ja, das stimmt. Für mich hat das Ehrenamt aber einen entscheidenden Vorteil: Ich bin nicht diesem Druck ausgesetzt, das ich das unbedingt machen muss. Klar trifft man Vereinbarungen und ist verlässlich, aber ich mache das, weil es mir wichtig ist und Spaß macht und hier ein tolles Team zusammenarbeitet. Im Ernstfall könnte ich mich hier von der einen auf die anderen Minute auch umdrehen und gehen. Mit einem Arbeitsvertrag ginge das nicht.

Gibt es Eigenschaften, von denen du sagen würdest, dass sie dein ehrenamtliches Engagement begünstigen?
Ich interessiere mich prinzpiell erst mal für alles und bin neugierig wie eine Katze. Und mir sind die kleinen alltäglichen Freundlichkeiten wichtig. Manchmal reicht ja schon ein „Guten Tag“ oder ein Lächeln, dass sich jemand wahrgenommen fühlt.

Wenn deine Eltern noch leben würden, was denkst du, wie würden sie den Schillerkiez im Jahre 2019 finden?
Mein Vater würde das schon toll finden mit den ganzen jungen Leuten, die hier sind. Der würde allerdings auch darauf bestehen, dass die spätestens ab 24 Uhr die Klappe zu halten haben und dass auf den Straßen Ruhe wäre, damit man mal ruhig schlafen kann. Und ob die Alten es so toll finden würden, wenn da noch eine Galerie und noch ein Café aufmacht, aber kein guter Bäcker mehr da ist, bei dem du mal eine anständige Berliner Schrippe kaufen kannst, weiß ich nicht. Einerseits ist das schön, dass hier Bewegung drin ist und man wird ja auch nicht dümmer, wenn man sich mit Leuten aus anderen Ländern unterhält. Andererseits bleiben viele nur für eine kurze Zeit und identifizieren sich dann nicht mit dem Kiez. Dadurch geht die Gemütlichkeit ein bisschen flöten.

Was würdest du dem Schillerkiez wünschen auf längere Sicht?
Nette Touristen. Und vielleicht ein paar weniger. Und vor allem, dass die offiziellen und eher noch die inoffiziellen Ferienwohnungen wieder dem Wohnungsmarkt zugeführt werden. Und nicht, dass du hier diese ganzen Feiertouristen hast, die sich teilweise wie offene Hosen benehmen und nachts grölend rumrennen und ihren Müll überall hinschmeißen. Viele der Hipsterkneipen, die wie Pilze aus dem Boden schießen und nach zwei Jahren wieder verschwenden, werden von den eingeborenen Schillerkiez-Bewohnern ja auch gar nicht benutzt, weil sie viel zu teuer sind. Der angestammte Neuköllner geht lieber ins Syndi, Schillers oder in den Frosch.

Dieses Interview ist im Dezember 2018 in unserem Magazin „Kiezköpfe“ erschienen.

Auf Augenhöhe

Foto: Anke Hohmeister

Linda ist 21 Jahre alt, in Neukölln aufgewachsen und seit letztem Jahr Fach-Abiturientin. Momentan sucht sie einen Ausbildungsplatz als Mediengestalterin. Sie ärgert sich über das gängige Klischee, dass viele Jugendliche nur faul vor dem PC rumhängen und sich nicht dafür interessieren, was um sie herum geschieht. Mit ihrem Engagement will sie zeigen, dass es auch anders geht.

2011 hast du in der „Kinderwelt am Feld“ eine Ausbildung zum Peer-Helper begonnen. Was macht die Arbeit eines Peer-Helpers genau aus?
Eigentlich geht es vor allem darum, dass Jüngere ihre Freizeit nicht auf die Straße, sondern in Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen im Berliner Stadtteil Neukölln verbringen . Wir als Peer-Helper sind Ansprechpartner für die Kinder und begegnen ihnen auf Augenhöhe. Und wir führen und planen auch Projekte mit ihnen durch.

Was sind das zum Beispiel für Projekte?
Wir haben schonmal eine U18-Wahl als Projekt gehabt und mit den Kindern eine Sightseeing-Tour gemacht. Ansonsten können wir als Peer-Helper auch unsere Schwerpunkte mit in die Projekte einbringen. Ich bin zum Beispiel ein Medien-Peer-Helper und hatte in meiner Ausbildung spezielle Module zur Computerarbeit. Es gibt aber auch Sport- und Kreativitäts-Peer-Helper.

Wie kann man sich in Neukölln zum Peer-Helper ausbilden lassen?
Es gibt das Peer-Helper-Netzwerk vom Nachbarschaftsheim Neukölln, das mit verschiedenen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen zusammenarbeitet. Um ein Peer-Helper zu werden, muss man auf jeden Fall eine Ausbildung machen, in der man Grundsätzliches lernt zu Themen, wie Aufsichtspflicht, Mobbing und auch dazu, was man mit den Kindern machen darf und was nicht.

Was würdest du einem Kind empfehlen, das dir von Mobbing-Erfahrungen berichtet?
Wenn es um Internet-Mobbing geht, ist es extrem wichtig einen Screenshot zu machen. Man muss darauf achten, dass das Datum und die Uhrzeit mit drauf sind. Wenn das Kind noch nicht volljährig ist, müssen die Eltern den Zettel unterschreiben. Der kann dann der Polizei übergeben werden, weil Mobbing strafbar ist. Wenn das Mobbing in der Schule und nicht im Netz stattfindet, ist es schwieriger. Ich habe das selbst ungefähr acht Jahre lang erlebt und bin damals immer wieder zur Schulsozialarbeiterin gegangen. Die hat mir zwar Tipps gegeben, konnte mir aber nicht wirklich weiterhelfen. Letztlich ging es mir dann nach einem Schulwechsel besser.

Wie gehen die Kinder und Jugendlichen in der „Kinderwelt am Feld“ mit dem Thema Mobbing um?
Es kommt darauf an, was man unter Mobbing versteht. Man merkt schon, dass die Kinder ziemlich gemein zueinander sind. Da schreiten wir als Peer-Helper dann natürlich ein. Ansonsten haben wir in der „Kinderwelt am Feld“ einen Gruppenrat, wo wir uns immer Freitags treffen und verschiedene Themen und Probleme besprechen. Wir suchen dann immer gemeinsam mit den Kindern nach Lösungen, wie man etwas ändern und verbessern kann.

Du warst bis 2015 Medien-Peer und bist danach Junior-Honorarkraft in der Kinderwelt geworden. Zusätzlich zu diesem Engagement bist du seit Ende 2013 ehrenamtlich in der Jugendjury Neukölln. Was sind deine Aufgaben dort?
Mit Hilfe des Jugend-Demokratie-Fonds fördern wir als Jugendjury nachhaltige und gemeinnützige Projekte von Kinder- und Jugendeinrichtungen und von Schulen, die aus Neukölln kommen. Wir schauen die Anträge durch und prüfen, ob die Idee gemeinnützig und nachhaltig ist. Wenn uns da etwas auffällt, können wir die Projekte auch beraten, was sie noch besser machen können. Bei der eigentlichen Vergabesitzung moderieren wir dann. Im Anschluss gibt es eine Diskussionsrunde, bei der demokratisch abgestimmt wird, ob ein Projekt die Gelder bekommt oder nicht. Ich finde die Arbeit dort total schön, weil wir Kindern und Jugendlichen bei der Realisierung ihrer Projekte helfen können.

Hattest du Phasen, vielleicht besonders in der anstrengenden Abizeit, wo du an deinem ehrenamtlichen Engagement gezweifelt hast?
Eigentlich nie. Es war für mich ja keine Pflicht, sondern immer freiwillig. Ich hätte jederzeit sagen können, dass ich jetzt aufhöre. In der „Kinderwelt am Feld“ war es vielleicht mal anstrengend, weil meine kleineren Geschwister mitgemacht haben, mit denen ich ja eh schon permanent zu Hause zu tun habe. Ans Aufhören habe ich aber nie gedacht.

Was sagen eigentlich deine Eltern zu deinem Engagement?
Die finden es gut, dass ich schon, seitdem ich 12 bin, so selbstständig bin. Es heißt ja meistens, dass die Kinder nur noch faul vor ihrem Smartphone hängen und sonst gar nichts machen. Wir Kinder und Jugendliche, die sich engagieren, zeigen das Gegenteil!

Stille Leitung – Von alten Telefonzellen und der Liebe zu Büchern

Fotos: Anke Hohmeister

Sobald die schwere Schwenktür langsam ins Schloss fällt, kehrt eine wohltuende Ruhe ein.  Die Geräusche der Straße sind gedämpft, man fühlt sich augenblicklich wie abgeschirmt von der Umgebung. In einer Telefonzelle zu stehen ist eine Art öffentlich zelebrierter Intimität: Auf rund einem Quadratmeter Fläche ist man für sich und trotzdem für alle Welt sichtbar. Ein nostalgisch anmutendes Paradoxon. Schließlich lässt sich die oft muffig riechende Enge und Geborgenheit, die so typisch für die gelben oder magenta-grauen Telefonhäuschen ist, nur noch an wenigen Orten in Berlin erfahren. Im Schillerkiez haben AnwohnerInnen und BesucherInnen gleich zweimal die Möglichkeit sich der heimeligen Atmosphäre der Zellen hinzugeben.

Am Herrfurthplatz wurde vor sechs Jahre eine so genannte „Bücherboxx“ aufgestellt. Das bunt angemalte Häuschen ist mit Solarpaneelen bedeckt und enthält eine wechselnde Auswahl  an Büchern, die bei Bedarf mit nach Hause genommen werden können. Eine zweite Telefonzelle steht am Rande der Gemeinschaftsgärten auf dem Tempelhofer Feld. In der „Storyboxx“ gibt es neben Büchern einen wertvollen Fundus an Geschichten. Über ein fest installiertes und robustes Abspielgerät erklingen per Tastendruck Zeitzeugenberichte  und Anekdoten über das Tempelhofer Feld.

Zwei Männer engagieren sich seit Jahren leidenschaftlich und ehrenamtlich für den Erhalt und die Bestückung der „Boxxen“: Matthias , 61 Jahre alt, Lehrer und gelernter Schreiner und Jürgen, 66 Jahre alt, Antiquar und Buchhändler bezeichnen sich selbst als Kümmerer. Der eine kümmert sich vor allem um die Form und der andere um den Inhalt der umfunktionierten Telefonhäuschen. Im Interview erzählen sie, warum es sich lohnt zu lesen, ob es bei der Bestückung der „Boxxen“ eine Zensur gibt und was sie bei ihren ehrenamtlichen Tätigkeit antreibt.

Beim Blick in die Regale der „Bücherboxxen“ fällt schnell auf, dass hier auf eine ausgewogene Mischung der Genres wert gelegt wird. Neben Klassikern, gibt es Rezept-, Sach- und Kinderbücher, aber auch Reiseführer und sogenannte leichte Literatur. Von welchen Kriterien hängt eure Auswahl ab?
Jürgen: Geschmäcker sind ja bekanntlich ganz unterschiedlich – da hat erstmal jedes Buch seine Berechtigung. Neulich habe ich zum Beispiel mal einen Meter „Angelique“-Romane reingestellt, die waren ruckzuck weg. Eine Zensur gibt es bei uns also nicht.  Wenn allerdings mal tendenziöse Literatur drin wäre, also irgendwelche Nazi- oder Propaganda-Sachen, die würde ich auf jeden Fall rausnehmen.

Aus welchem Fundus wählt ihr die Bücher aus?
Matthias: Ich habe immer schon sehr viele Bücher geschenkt oder auch vererbt bekommen und mich mit Jürgen darauf geeinigt, dass ich die nicht gleich in die „Boxx“ bringe, sondern erstmal zu ihm. Er guckt dann, was er noch brauchen kann und stellt den Rest rein. Ansonsten bestücken auch Nachbarn manchmal in Eigenregie und natürlich verfügt Jürgen als Antiquar über einen Fundus, aus dem er immer mal Bücher aussortieren kann.

Foto: Anke Hohmeister

Jürgen: Als das Projekt vor sechs Jahren im Quartiersrat vorgestellt wurde, war ich – das muss ich ehrlicherweise zugeben – zunächst skeptisch, weil ich die „Bücherboxx“ als Konkurrenz gesehen habe. Ich war ja damals mit meinem Antiquariat noch direkt am Herrfurthplatz und hatte immer Samstags auf dem Wochenmarkt meinen Bücherstand und dachte, dass es irgendwie kompliziert werden könnte Bücher zu verkaufen, während gleichzeitig ein paar Meter weiter weg eine „Boxx“ steht, wo es alles kostenlos gibt. Wir haben uns im Kümmererkreis dann aber schnell darauf einigen können, dass ich bei Buchspenden eine Vorauswahl treffen kann. Wenn ein Buch zum Beispiel im Originalpreis 50 Euro gekostet hat und es sich noch anderweitig verkaufen lässt, tue ich es nicht mit rein. Das gleiche gilt aber auch für schmutzige oder sehr ramponierte  Bücher.

Wie oft müssen die Bücherregale aufgefüllt werden?
Jürgen: Ich bin zur Zeit zweimal in der Woche da. Gerade Montags, nach den Wochenenden, sind die „Boxxen“ immer ziemlich leergefegt. Gestern habe ich zum Beispiel insgesamt rund 50 Bücher aufgefüllt. Die hatte ich in einem Trolley, so einem großen Einkaufswagen, verstaut und bin damit dann beide Standorte abgefahren.

Matthias: Ich wohne ja schon lange in Hermsdorf, versuche aber nachwievor regelmäßig im Schillerkiez zu sein.  Durch meine Zeit als Lehrer an der Carl-Legien-Schule in der Leinestraße und im Quartiersrat fühle ich mich immer noch verbunden mit der Gegend und habe auch viele Bekannte, die hier leben. Immer wenn ich hier bin, schaue ich natürlich nach nach den „Boxxen“. Als die Bänke vor der „Bücherboxx“ am Herrfurthplatz nach dem Sommer ziemlich ramponiert waren, habe ich die zum Beispiel erneuert. Ansonsten habe ich generell ein Auge auf den technischen Zustand, mache kleine Reparaturen oder entferne auch die ganzen Klebezettel an den Scheiben und der Tür, wenn es zu viel wird.

Wieviel Putzarbeit müsst ihr generell leisten, um die „Boxx“ in Ordnung zu halten?
Jürgen: Es geht. Manchmal werden Geschenkkisten mit Klamotten und Spielsachen abgeladen. Das ist einerseits ganz nett, aber oft liegt dann die Hälfte draußen, um die „Boxx“ herum oder auch direkt vor der Kirche. Das sieht dann unordentlich aus und muss dann natürlich weggeräumt werden.

Matthias: Eine Zeit lange hat sich hier am Herrfurthplatz auch immer eine Gruppe von Trinkern aufgehalten. Die sind inzwischen weg.
Jürgen: Aber die haben sich um die Box gekümmert. Wenn Müll da lag, haben sie den beseitigt und manchmal auch drumherum gefegt. Sie haben die „Boxx“ beschützt und auf der Bank nebendran ihre philosophischen Gespräche geführt.

Matthias: So eine „Bücherboxx“ ist schon ein Stück Stadtteilkultur. Auch das Engagement dafür ist eine tolle Erfahrung. Auch wenn es immer wieder auch mal Rückschläge gibt.

Jürgen: Es gab wohl sogar schonmal eine Schlägerei, weil sich zwei Leute um Bücher gestritten haben.

Foto: Anke Hohmeister

Wisst ihr, um welche Bücher es ging?
Jürgen: Nein, nicht genau. Es kommen immer mal wieder so halbprofessionelle Händler, die mit ihren Handys die Barstrichcodes abscannen und prüfen, ob sich noch irgendwas gut im Internet verkaufen lässt. Und irgendwie gab es dann eine Aggression zwischen zwei Händlern, bei der wohl ein Zahn ausgeschlagen wurde und einer der beiden  sein Pfefferspray rausgeholt hat. Das ist schon absurd. Es eine Geschenk- und keine Wiederverkaufsbox, wo man die Bücher in Massen abschleppen kann.

Habt ihr nach solchen Vorkommnissen jemals an eurem Engagement gezweifelt oder überlegt als Kümmerer aufzuhören?
Beide zusammen: Nein, auf keinen Fall!

Welche Bedeutung hat für euch, ganz persönlich, das Medium Buch?
Jürgen: Ich bin mit Büchern groß geworden. In der Familie hatten wir immer viele Bücher und ich habe schon in der Schulzeit viel lieber gelesen als Schulaufgaben zu machen. Da lag der Beruf des Buchhändlers nicht so fern.

Matthias: Ich lese auch unheimlich gerne und finde es zudem extrem schade Bücher wegzuschmeißen. Das ist auch das schöne an den „Bücherboxxen“. Sie sind einfach nachhaltig.

Und gibt es in eurem Leben ein Buch, von dem ihr sagen würdet, dass es euch nachhaltig beeindruckt oder sogar verändert hat?
Matthias: Bei mir ist das „Soweit die Füße tragen“ von Josef Martin Bauer. Da geht es um einen Soldaten, der aus einem Arbeitslager in Russland flieht und nach Hause läuft. Das hat mich nachhaltig beeindruckt.

Jürgen: Ich habe viel Karl May gelesen. In seinen Romanen schwingt so viel Toleranz mit – gegenüber Menschen unterschiedlichen Herkunft und Rasse, gegenüber Konfessionen und Religionen. Das hat mein Weltbild geprägt.

Dieses Interview ist im Dezember 2018 in unserem Magazin „Kiezköpfe“ erschienen. Die „Bücherboxxen“ im Schillerkiez wurden im zweiten Quartal 2019 abgebaut. Der Wiederaufbau der „Boxx“ am Herrfurthplatz ist zukünftig geplant. Ein genauer Zeitpunkt steht bisher noch nicht fest.

 

Im Theater muss man mit allem rechnen

Fotos: Emmanuele Contini

Text: Magdalena Schrefel

Zu Beginn unseres Gesprächs zitiert sich Werner selbst. „Kuck“, sagt er, „hier auf dieser Ansichtskarte, das habe ich gesagt: »Ich dachte, so etwas kann doch kein Theater sein, was soll denn das werden? Inzwischen weiß ich, zum Schluss gibt es immer eine Aufführung«.“ Er lacht, während er mir gegenübersitzt, ein älterer Mann, stattlich. Mit Bedacht setzt er einen Fuß vor den anderen, als wir an das Fenster gehen. Wir setzen uns und ich stelle ihm meine Fragen. Er antwortet schnell und mit Witz. Alles Mögliche habe er gemacht, seit 40 Jahren sei er im Geschäft, wie er sagt, „Kabarett, alles durch.“ Wie es denn sei, bloß mit alten Leuten zusammen zu spielen, frage ich. „Mit dem Alter“, sagt Werner, „nehmen wir es nicht so genau.“ Ob einer 40 sei oder 70, das spiele keine Rolle – weil man für alle eine Rolle finde. Man sei flexibel, wenn mal einer fehle, würde ganz schnell eingesprungen. Der Vorteil bei aus Improvisation entstandenen Szenen: Man kann sie ummodeln, muss nicht so textsicher sein. Wie er Text lerne, frage ich Werner. „Hauptsache, man weiß den Zusammenhang“, sagt er, „Wort für Wort, Zeile für Zeile, das ist hier nicht mehr.“ Und dass man das in seinem Alter für sich beanspruchen dürfe, sagt er auch noch.

2017 feierten die Sultaninen ihr zehnjähriges Jubiläum. „Offiziell“, sagt Hülya Karci. Eigentlich sei das Projekt noch älter. Mit einer Kollegin zusammen habe sie angefangen, erzählt die Theaterpädagogin. Die Grundlage ihrer Arbeit sei das Schöneberger Theater der Erfahrung gewesen. Es gehe ihr darum, die versteckten Potenziale älterer Menschen zum Vorschein zu bringen. „In den Scheinwerfer zu stellen“, sagt sie, „oder wie sagt man das?“ Zusammen sei die Gruppe gewachsen, „aufgewachsen“, sagt Hülya, als wäre die Gruppe ein Kind, das man gemeinsam erzieht. Und das Bild passt, denn wirklich scheinen hier alle an einem Strang zu ziehen. Eine Mitspielerin habe die Gruppe schon verloren, eine Polin, vor zwei Jahren sei sie verstorben. „Diese Menschen haben viel Erfahrung“, sagt Hülya. Das helfe beim Verfassen der Stücke. Aus Improvisationen zu gesellschaftlich relevanten Themen entwickle man gemeinsam Szenen, die sie dann niederschreibe. „Das führt auch zu Konflikten“, sagt Hülya, „manchmal streiten wir über schlichte Tatsachen, war es so, war es anders.“ Ihrem Interesse an der Vergangenheit, an türkischer und deutscher Geschichte, würde durch die Erzählungen der Darsteller und Darstellerinnen wie in einem gemeinsamen Geschichtsunterricht entsprochen. „Was wir brauchen sind Menschen, die Lust haben, Theater zu spielen“, sagt Hülya. Ist das Altern ein Thema in eurer Arbeit, frage ich. Und sie: „Weißt du, was eine der Spielerinnen zu mir gesagt hat? Das sei die einzige Gruppe – und sie habe in vielen gespielt – in der das Altern kein Thema sei. Und deswegen ist sie bei den Sultaninen geblieben.“ Die Themen der Sultaninen sind vielfältig: Gentrifizierung, Liebe und aktuell Koffergeschichten.

In einem Stuhlkreis nehmen alle Platz. Es ist die letzte gemeinsame Probe vor Weihnachten. Fünf Männer, fünf Frauen, zwei Hunde und Hülya. Geprobt wird in einem Mehrzwecksaal im Nachbarschaftsheim Neukölln, freitags von 10 bis 13 Uhr. Der Saal ist braun getäfelt, der Boden aus rotem Laminat. Große weiße Heizkörper sind an der Wand angebracht. Es gibt Kaffee und Tee, dessen Farbe lautstark verhandelt wird. Man bespricht sich, gibt sich Rückmeldung zur Aufführung, die am vergangenen Dienstag stattgefunden hat. Im Februar des Folgejahres soll die nächste Aufführung stattfinden. Dafür wird nun geprobt, das Stück soll weiterentwickelt werden, sein Titel: Kofferblues. Jemand sagt: „Den Koffer möchte ich gerne machen.“ Alle lachen. Man kennt sich gut, spielt schon über Jahre zusammen. „Solange die Beine gehen, kommst du“, sagt Werner zu Heinz. Man spricht sich Mut zu in dieser Runde. „Das ist eine schöne Vereinbarung“, sagt Gioia, „wer zuerst ein wenig beeinträchtigt ist, ist trotzdem willkommen. Alle spielen weiter mit.“ „Und irgendwann dann sterben die Menschen gar nicht mehr“, sagt Siegbert.

Das Thema ist nun nicht mehr das eigene Befinden, sondern die Zukunft der Menschheit. Wird es Krieg geben? Wird man 2030 schon auf dem Mond leben können? „Das ist ein super Thema für ein neues Stück“, sagt Gioia. Doch jetzt ist Probe und Irfan erzählt: „Am 1. April 1970 sind wir hierhergekommen, ich und mein Bruder. Mama und Papa waren schon hier.“ Zwölf Jahre war er da. „In Istanbul“, sagt Irfan, „sah ich das erste Mal eine Frau Autofahren.“ „Wie alt warst du da?“, fragt Hülya. „Zwölf.” Landung in Schönefeld, mit dem Bus nach Rudow an den Grenzübergang. Dort habe er für einen anderen Mann einen Koffer getragen, „Ich hatte ja keine Ahnung.“ Was in dem Koffer war? Er weiß es nicht, bis heute. Gemeinsam wird spekuliert. Um die Mitte ist Irfan etwas runder, sein Haar trägt er im Nacken lang. So fängt das nämlich an, sagt er jedes Mal, um seine Erzählungen einzuleiten. Dieses Erzählen ist Erinnerungsarbeit. Die anderen hören zu, fragen nach. Zuhören ist ein wichtiger Teil dieser Theaterarbeit. Dann erzählt Hatice: 1969 sei sie nach München gekommen, mit einem Holzkoffer, darin zwei Hosen. Ihr Mann war zu dem Zeitpunkt bereits verstorben, eine junge Witwe mit Kindern war sie, die alleine nach Deutschland kam, um Geld für die Familie zu verdienen. „Und die Hosen“, fragt Beate, „hast du die auch in der Türkei getragen?“ Hatice kichert. „Ja“, übersetzt Hülya, „sie sagt das hat sie. Aber nur mit Kleid darüber.“ „Wollte man all das aufarbeiten“, sagt Heinz, „man bräuchte viele Leben dafür.“ Mehr als eines zumindest. Hier wird Geschichte verhandelt. Wiederholt sie sich? Was ist die historische Rolle Deutschlands, in Polen, in der Türkei? Eine gemeinsame Antwort gibt es nicht. Aber es gibt das gemeinsame Theaterspiel, von Anfang an.

„Waltraud zum Beispiel“, sagt Hülya, sei schon seit zehn Jahren dabei. „Ich heiße Waltraud“, sagt sie zu Beginn unseres kurzen Gesprächs. „Und ich bin jetzt 75.“ 2003 sei sie nach Berlin gezogen, erst in den Schillerkiez, dann in den Wedding. In einem Seniorenhaus mit Fahrstuhl lebe sie jetzt. Wie sind Sie denn zu dieser Theatergruppe gekommen, frage ich und sie sagt: „Da gab es die Theatergruppe noch gar nicht.“ Zwei Jahre habe es gedauert, bis die Gruppe in ihrer jetzigen Konstellation zustande gekommen sei. Vom Schöneberger Theater der Erfahrung, noch mit einem anderen Leiter, sei die Initiative ausgegangen, aber zunächst im Sand verlaufen. Später habe sie einen Anruf erhalten und habe dem Ganzen noch eine Chance gegeben.

Der Tag ist strahlend schön. Vor der Glasfront des Nachbarschaftsheims in der Schierker Straße spielen Kinder aus der Kita. Manchmal klopfen sie laut an die Fenster. Waltraud legt dann ihre Hand ans Fenster. Theater, sagt sie, sei für sie Therapie gewesen. Etwas auszuprobieren, das sie noch nie gemacht habe. „Und mal zu kucken, was es wird“, sagt sie. Sie spiele noch in einer anderen Gruppe, Vergissmeinnicht, mit Demenzkranken. Gibt es einen Punkt, an dem sie selber aufhören würde mit Theater? „Nö“, sagt Waltraud, „solange es mir Spaß macht, spiele ich.“

Waltrauds zwei Hunde sind stille Gäste bei dieser Theaterprobe. Heinz kichert, als einer der Hunde sich suchend umdreht, nachdem er ihn von hinten angetippt hat. Alter Trick, funktioniert immer wieder. Bevor ich Heinz interviewe, sagt er: „Mein Gedächtnis spielt verrückt.“ Hülya ruft ihn vor jeder Theaterprobe an, um ihn daran zu erinnern, dass Theaterprobe ist. Manchmal, sagt sie, rufe Heinz sie auch mitten in der Nacht an. Weil die Uhrzeit keine Rolle mehr für ihn spiele. „Er kann nicht so Zeitgefühl“, sagt sie. „Du heißt Heinz“, sage ich, „und bist mittlerweile 80 Jahre alt.“ „79“, sagt Heinz, und wir lachen beide. Dass ich ihn nicht älter machen wolle, sage ich. Als ich ihn frage, wie lange er schon bei den Sultaninen sei, ruft Heinz zu Hülya, „Hülya, wie lange bin ich schon dabei, vier, fünf Jahre?“ „Acht“, sagt Hülya. „Acht Jahre“, wiederholt Heinz. Dass er im Theater gut gewesen sei, sagt Heinz auch und dass es gerade erst anfange, mit dem Gedächtnis. Text für mehrstündige Stücke habe er auswendig gekonnt. „Nun merke ich“, sagt er, „wie ich abbaue.“ Was magst du am Theaterspielen, frage ich. „Dass ich mich in den Mittelpunkt bringe. Sonst wäre ich nichts“, sagt Heinz. „Theater ist Theater“, und dass es keine Rolle gebe, die er lieber spiele als alle anderen. Ob es denn einen Punkt gebe, an dem er aufhören wolle mit Theater, frage ich. „Wenn man 79 ist“, sagt Heinz, „dann kann man mit allem rechnen. Muss man“, sagt er. „Dann muss man mit allem rechnen.“

Dieser Text ist im März 2018 in unserem Magazin „Mensch Alter. Geschichten übers Alt Werden im Schillerkiez“ veröffentlicht worden.

 

„Weil Ei braucht man“

Fotos: Karolin Korthase

Text: Magdalena Schrefel

Der Stift muss immer schreibbereit vor ihr auf dem Tisch liegen, die Mine schon rausgedrückt, überhaupt hat in diesem kleinen Laden alles seine eigene Ordnung. Betritt man ihn durch die Glastür mit Jalousien – an der Tür ein handgeschriebenes „Geöffnet“-Schild – kommt man in einen kleinen Raum, der Boden ist mit Teppich ausgelegt, Regale stehen an beiden Wänden. Rechterhand in den Regalen: Eier in Palettenkartons; linkerhand: Büromaterial. Vor alle dem in der Mitte ein Schreibtisch und dahinter sitzt sie: Hannelore, ihres Zeichens Verkäuferin. Ihre dunklen Haare hat sie in einem Pferdeschwanz streng nach hinten frisiert, an den Ohren trägt sie bunte Kreolen, ihre Fingernägel sind perlmuttfarben lackiert. Dass ich zum vereinbarten Interview käme, sage ich. Und Hannelore fragt, ob wir nach hinten gehen wollen, da wäre es etwas ruhiger. Hinten, das ist die an den Verkaufsraum angeschlossene Küche – mit Sofa, Sessel und Radiomusik.

Hannelore: Wenn Kundschaft kommt, muss ich nach vorne.

Schön haben Sie es hier hinten.
Man muss sich auch aufhalten können, nicht. Radio mache ich bisschen leiser.

Wie kommen Sie dazu, Eier zu verkaufen?
Hannelore lacht. Ihre Stimme ist kratzig und schön tief. Dat is‘n Ding. Früher, vor 25 Jahren, war der Laden in der Selchower Straße. Die Verkäuferin war nicht  sehr hilfsbereit, die Eier musste man selber aus dem Karton fischen, da habe ich gesagt: So kann man kein Geschäft führen. Ich hab‘ den Chef von dem Bauernhof angerufen und ihm gesagt: Können wir uns mal treffen? Ich würde das gerne übernehmen. Und von Stund’ an war ich die neue Verkäuferin.

Was haben Sie davor gemacht?
Da hatte ich ‘ne Gaststätte.

Mit Essen und allem?
Nee, nur Getränkeausschank, der Bierbaum 3 war das, den habe ich aufgebaut. Das Gute ist: Hier gehen die Leute wieder, kommen nicht besoffen rein, erzählen dir nicht jeden Tag denselben Witz, na Sie wissen schon, was ich meine, nicht?

Und wie kam es, dass der Laden von der Selchower hier in die Weisestraße umgezogen ist?
Weil die Miete erhöht wurde, der Laden wurde immer teurer, die Miete wurde verdoppelt und nochmal verdoppelt. Da habe ich angefangen zu suchen. Ich kannte den Ladenbesitzer hier und der sagte: Mädchen, du läufst den ganzen Tag rum. Und ich: Ja, ich muss doch sehen, dass ich was finde. Naja, sagte er – das hier war sein Büro – dann werd‘ ich mein Büro räumen, verkauf du mal deine Eier hier.

Wann war das?
Vor zwei Jahren. Ich hatte aber immer ein Schildchen dran, die Fahne raus, die Kundschaft hat mich gefunden.

Geborene Neuköllnerin sei sie, erst in der Hobrechtstraße und nun schon über 40 Jahre hier oben im Schillerkiez. Sie gehe auch niemals weiter als über den Hermannplatz, das sei ihr Revier hier, ihr Bermudadreieck. In dem sei sie glücklich und kenne die Menschen.

Der Kiez hat sich ja sehr verändert.
Ja, aber das stört mich nicht. Was mich stört sind die Mieterhöhungen, dass man die jungen Menschen hier so abzockt. Die Mieten sind ja fast aufs Doppelte erhöht. Keine Ahnung, warum die Politik darauf nicht reagiert.

Verändert das auch Ihre Kundschaft, weil die Leute wegziehen müssen?
Ach was, sogar aus Spandau kommen die Leute noch immer zu mir und holen sich Ihre Eier. Weil Sie so fantastisch schmecken.

Wo genau kommen die Eier denn her?
Aus dem Alten Land. Der Bauer bringt sie mir direkt, deswegen können wir auch so kostengünstig sein. Dazu noch den selbstgemachten Eierlikör – mit Kirschwasser, der ist lecker und Honig, auch aus der Region.

Wie viel kosten denn die Eier bei Ihnen?
XL 10 Stück 1,90€, Freiland 10 Stück 1,80€ und dann gibt es noch die L-Eier, die sind besser fürs Backen und für den Eierkocher. Unschlagbar. Dagegen kommt kein Supermarkt an – und dann noch der Geschmack dazu.

Geöffnet ist der Laden Montag und Dienstag jeweils von 10 bis 13 Uhr, Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr und Samstag auch bis Mittag.

Warum haben Sie Mittwoch zu?
Lohnt nicht mehr, ich hab‘ mir die Zahlen angesehen, Montag und Dienstag bis 13 Uhr, danach kommt niemand mehr.

Und was machen Sie dann am Mittwoch?
Wieder lacht Hannelore dieses einnehmende Lachen. Sonntag ist mein Schönheitstag, Mittwoch muss ich putzen.

Was wird mit dem Laden passieren, wenn Sie nicht mehr können?
Dann macht das mein Kollege weiter, der ist jetzt schon Donnerstag und Freitag Nachmittag hier. Wenn ich mir aber meinen Vater ansehe – der jetzt 91 ist – und ich nach dem komme, dann mache ich das noch länger.

Immer wieder betreten während unseres Gesprächs Kunden den Laden, kaufen Eier. Immer ist Hannelore freundlich. Der Glaser von nebenan kommt vorbei, um Geld zu wechseln. Auch das ist kein Problem.

Haben Sie einen Lieblingsort hier im Schillerkiez?
Wie, Lieblingsort?

Ne Kneipe zum Beispiel.
Ja, hier gleich auf der Ecke (Anm. d. Red.:die Mahlower Klause).

Was macht die so besonders?
Sie liegt aufm Weg. Wenn ich nach Hause gehe, packe ich hier meine Sachen, geh rüber, trink da ein, zwei Körnchen und dann ab nach Hause. Ist ‘ne nette Kneipe, viele junge Leute, ich unterhalte mich gerne mit denen.

Mehr so ein Kumpeltyp sei sie, habe mehr Freunde denn Freundinnen. Außer Uta, mit der sei sie schon ewig befreundet, die habe ihren Schlüssel, kuckt nach, wenn ich mal im Urlaub bin. Eine andere Freundin sei nach Tempelhof gezogen. Wie das die Freundschaft verändert habe, frage ich. Gar nicht, sagt Hannelore und dass sie sich nach wie vor regelmäßig sähen. Als wir unser Interview vereinbart hatten, hatte mir Hannelore erzählt, sie würde danach bald in den Urlaub fahren.

Wo fahren Sie im Urlaub hin?
Immer nach Ägypten. Seit 18 Jahren schon. Immer an denselben Ort.

Und was gefällt Ihnen dort so gut?
Mein Mann! Der wohnt da.

Wow! Wie schafft man das?
Nun ja, die Zeit zwischendurch ist scheußlich, aber wir kriegen es hin. Jeden Tag wird telefoniert, Nachrichten geschickt. Es ist natürlich nicht die Nähe, aber wir kriegen es hin.

Zum Abschluss muss ich Hannelore noch fragen, ob sie selber gerne Eier isst, auch wenn mir die Frage doof vorkommt. Klar, sagt sie. Mein Frühstückseichen am Sonntag, Bratkartoffeln und Spinat mit Ei oder auch Leberkäse mit Ei drauf. Deswegen geh ich auch nicht unter, weil Ei braucht man. Als ich gerade mein Aufnahmegerät ausschalten will, frage ich Hannelore noch nach ihrem Alter. 69, sagt sie und, dass Alter keine Errungenschaft sei. Ist nur eine Erscheinung – wie man lebt, wie man liebt, das macht es aus. Hannelore lacht und dann verkauft sie weiter.

Gold-Ei, Weisestraße 11, 12049 Berlin

Dieser Text ist im März 2018 im Magazin „Mensch, Alter. Geschichten übers Alt Werden im Schillerkiez“ erschienen.

 

„Eine Geschichte, die fast hundertprozentig perfekt ist“

Fein säuberlich aufgereiht, hängen sie an der Wand: Zangen, Scheren, Schraubenschlüssel in unterschiedlichen Größen, Ratschen und Felgen. In einem Regal türmen sich Fahrradkörbe, ganz oben, direkt unter der stuckbesetzten Decke, lagern die Rücklichter. Zwischendrin schraubt ein Jugendlicher gerade an einem Rahmen, aus dem vielleicht mal das Lieblingsrad von jemanden wird. Es ist voll hier in den Räumen der „Taschengeldfirma“ in der Flughafenstraße, aber nicht chaotisch. Darauf legt Talu Emre Tüntaş großen Wert. Er sagt: „Wenn du eine gute Ordnung hast, können viele coole Sachen laufen. Wenn die nicht da ist, verknotet sich alles.“

Seit 2010 engagiert sich der 27-Jährige für den Jugendhilfeverein, der als Berufsorientierungsprojekt gestartet ist und neben der Fahrradwerkstatt auch Projekte zu Regenerativen Energien im Portfolio hat. Aus einer ehrenamtlichen Arbeit ist inzwischen eine feste Beschäftigung geworden. „Mehr als Vollzeit“, sagt Talu, der offiziell auch noch Altertumswissenschaften im Master studiert. Über viele Jahre lang hat er versucht die beiden gegensätzlichen Welten unter einen Hut zu bekommen. Im Studium hatte er sich auf botanische Reste spezialisiert, also totes, archäologisches Material, das in mühseliger Kleinarbeit freigelegt und analysiert werden muss. Die Arbeit mit Jugendlichen und Fahrrädern, die ganz am Anfang noch auf der Straße stattfand, weil es zunächst keine passenden Räumlichkeiten gab, war dazu der größtmögliche Gegenentwurf. In Bewegung sein – das ist Talu wichtig. Für sich selbst, auf persönlicher Ebene, aber auch in Hinblick auf die Dinge mit denen er sich beschäftigt.

Du hast viele Jahre lang, quasi ohne Bezahlung, viel Zeit und Energie in die Projekte der Taschengeldfirma gesteckt. Was war deine Motivation?
Ich war lange Zeit Stipendiat bei der Friedrich Ebert Stiftung und hatte das Privileg einer Förderung. Durch das ehrenamtliche Engagment bei der Taschengeldfirma konnte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben. Ich konnte hier meinen persönlichen Interessen nachgehen und sie zu Projekten machen, die eine Finanzierung bekommen haben und von denen nicht nur ich, sondern auch viele Jugendliche profitiert haben. Als Anfang 20-Jähriger weiß man ja noch nicht, was man den Rest seines Lebens machen will – das ist eigentlich auch zu viel verlangt. Hier konnte ich mich ausprobieren.

Wie kam es zur Gründung der Fahrradwerkstatt?
Die Fahrradwerkstatt gibt es seit 2012. Ganz am Anfang hat sie noch hier auf der Straße stattgefunden – da haben wir mit Nachbarskindern an alten Fahrrädern rumgebastelt. Dann kam der Standort auf dem Tempelhofer Feld dazu. Wir haben schnell gemerkt, dass das Thema bei den Kindern und Jugendlichen zieht und dass man eine Menge bewegen kann. Vorausgesetzt, man vergrößert Schritt für Schritt sein Wissen und schafft die richtigen Werkzeuge an.

Was fasziniert dich persönlich am Fahrrad als Fortbewegungsmittel?
Für mich ist das eine Geschichte, die fast hundertprozentig perfekt ist. Man bewegt sich auf eine sportliche, gesunde Art und Weise fort, setzt sehr wenig Emissionen frei (mal abgesehen von denen, die bei der Herstellung entstehen) – eigentlich nur Körperwärme und Schweiß. Man schützt und bewahrt die Umwelt, nimmt wenig Platz im Straßenverkehr ein. Dafür muss man aber auch besonders aufmerksam sein, weil man durch die fehlende Schutzhülle unmittelbarer von Gefahren bedroht ist. Das sind schon mal einige Argumente, die für mich sehr stark sind und die auch Veränderungen in anderen Bereichen anstoßen können, wenn man mal länger drüber nachdenkt.

Foto: Anke Hohmeister

Wie viele Jugendliche erreicht ihr mit eurem Angebot?
Hier in unseren Räumen in der Flughafenstraße erreichen wir bis zu 50 Jugendliche. 20 davon sind sehr regelmäßig da. In den Sommermonaten, auf dem Feld, haben wir mehr Laufpublikum. Da erhöht sich die Teilnehmerzahl schnell mal auf das Zehnfache.

Neben der Fahrradwerkstatt beschäftigt ihr euch seit 2016 auch noch mit regenerativer Energie und habt an der Umsetzung des Windrades auf dem Tempelhofer Feld mitgewirkt. Wie kam es dazu?
Das Tempelhofer Feld ist ein super Ort, um für regenerative Energiesysteme zu werben. Das ist wie ein Schaufenster, an dem Tausende Menschen täglich entlang laufen. Das Modell, das wir dort in Kooperation mit KitRad e.V. aufgestellt haben, ist komplett handgefertigt und aus Holz. Sogar die Flügel wurden in langwieriger, ermüdender Arbeit handgeschnitzt. Unser Do-it-yourself-Rad hat zwar nicht viel mit einer industrialisierten Windkraftanlage zu tun, funktioniert aber im Wirkprinzip genau. Es gibt sogar Messinstrumente, die man online abrufen kann. Die zeigen dann live an, wie viel Energie gerade produziert wird. Eigentlich ist ist es mit dem Windrad genauso wie mit dem Fahrrad. Es ist ein Bereich, wo man viel selbst machen und bewegen kann.

Was sind für dich die besonderen Herausforderungen, die die soziale Arbeit in einem Bezirk wie Neukölln mit sich bringt?
Nord-Neukölln ist einerseits ein total hipper Bezirk mit vielen jungen erfolgreichen Leuten, die nachts feiern wollen. Gleichzeitig gibt es hier krasse, öffentlich gut sichtbaren Probleme wie Obdachlosigkeit. Wenn ich in den U-Bahnhof Leinestraße runtergehe, schockiert mich das immer noch, wie Leute da Crack rauchen oder sich was einspritzen. Daran kann man sich einfach nicht gewöhnen. In meiner Arbeit geht es mir vor allem darum, Menschen aus verschiedenen Communitys und Gruppen zusammen zu bringen und für ein gegenseitiges Verständnis zu werben. Ich profitiere da natürlich auch von meinem bikulturellen Hintergrund: Weil ich die Gepflogenheiten kenne, bekomme ich zum Beispiel viel schneller Zugang zur muslimischen Community. Mir ist es wichtig, die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, dass dieser Bezirk unsere Heimat ist und dass wir hier alle Verantwortung übernehmen müssen. Dazu gehört für mich, dass man etwas aus sich machen sollte, zum Beispiel in dem man Bildungsangebote nutzt, aber auch, dass man der Gesellschaft versucht etwas zurückzugeben.

Foto: Anke Hohmeister

Welche Projekte stehen bei euch in näherer Zukunft an?
Aktuell bereiten wir ein vom Bezirksamt Neukölln gefördertes Projekt vor, in dem wir durch Recycling- und Upcycling-Ansätze der Vermüllung in den Neuköllner Straßen entgegen wirken werden. In diesem Zuge wollen wir auch ein E-Cargobike aus recycelten Materialien bauen. Außerdem arbeiten wir an einem Projekt anlässlich des Europäischen Inklusionstages am 5. Mai, in dem es darum geht, einen Rollstuhl so umzufunktionieren, dass er beim Rollen Energie erzeugt, mit der sich dann ei Handy aufladen lässt. Auch der Aufbau eines Kreuzberger Standortes in der Skalitzer Straße sthet in diesem Jahr noch an.

Dieser Text ist im Dezember 2018 in unserem Magazin „Kiezköpfe“ erschienen.

die Taschengeldfirma, Flughafenstraße 62, www.taschengelfirma.net

Radwerkstatt auf dem Tempelhofer Feld, Eingang Oderstraße, gegenüber vom Allmende Kontor
Öffnungszeiten: ab April immer Sa+So 13-19 Uhr geöffnet.

„Ich mache alles, was unter die Maschine passt“

Porträtfoto: Emmanuele Contini, Detailfoto: Anke Hohmeister

Als Christiane Gluch im Jahre 1978 das erste Mal die Tür zu ihrer Änderungsschneiderei am Herrfurthplatz 4 aufschloss, hatte sie nicht viel zu verlieren. Die Mietkonditionen waren damals ausgesprochen günstig, das Startkapital mit einer kleinen Nähmaschine und einem Bügeleisen gering. In den Jahren zuvor hatte sich die Ur-Neuköllnerin von Job zu Job gehangelt. Anstellungen in einer Lederfabrik und in Schneidereien für T-Shirts und Brautmoden waren nie von langer Dauer gewesen – schon damals begannen große Firmen den Kleidungsmarkt für sich einzunehmen und verlagerten ihre Produktionen zunehmend ins Ausland. Für Änderungsschneidereien indes war die Zeit günstig. Wie Pilze seien die damals aus dem Boden geschossen, erzählt Christiane Gluch, die stolz darauf ist, dass seit der Eröffnung nicht eine Tag vergangen ist, an dem nicht mindestens ein Kunde in ihrem Laden stand.
Im Laufe der Jahrzehnte hat die 68-Jährige viele Moden kommen und gehen gesehen und den Wandel des Schillerkiezes direkt vor ihrer Ladentür erlebt. Im Interview erzählt die gelernte Schneiderin von ausgefallenen Kundenwünschen, dem Glück ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben und von Hosen, die einen guten Po machen.

Sie betreiben ihre Änderungsschneiderei schon seit 40 Jahren am Herrfurthplatz. Gab es eine Zeit, wo sie sich im Schillerkiez nicht so wohlgefühlt haben?
Zu Beginn war es super. Da war an der Schillerpromenade noch der große Wochenmarkt – immer Dienstags und Freitags. Da war immer viel Publikumsverkehr, von dem ich natürlich auch profitiert habe. In den Neunziger Jahren gab es dann mal eine Zeit, in der ich mich tatsächlich nicht so wohlgefühlt habe. Wenn ich da im Bekanntenkreis erzählt habe, wo mein Laden ist, konnte das niemand verstehen: Die Gegend hatte damals einen extrem schlechten Ruf. Das kann man sich heute, wo der Schillerkiez so in Mode ist, gar nicht mehr vorstellen.

Hat sich für sie durch die Öffnung des Tempelhofer Feldes im Jahre 2010 etwas geändert?
Durch die Öffnung direkt hat sich nichts für mich geändert. Mir fällt bloß auf, dass das Publikum hier immer jünger wird. Viele ältere Leute, die früher zu mir gekommen sind, um sich z.B. vor festlichen Tagen ihre Garderobe ändern zu lassen, sind verstorben oder weggezogen. Ich habe natürlich immer noch meine Stammkundschaft, zu der auch viele ältere Kunden gehören, aber es fällt schon auf, dass immer mehr junge Kunden aus aller Herren Länder kommen. Die kaufen sich dann eine Jacke für 10 Euro im Second Hand Laden und zahlen bei mir nochmal 10 Euro drauf, um etwas eigenes retromäßiges zu haben, das nicht von der Stange kommt.

Foto: Anke Hohmeister

Hatten sie jemals Angst vor Verdrängung?
Ja, natürlich. Das hab ich immer noch, eigentlich konstant. Da ich nur einen Ein-Jahresvertrag vom Vermieter habe, habe ich jedes Jahr erneut Angst, dass mir gekündigt wird. Aufgrund meines Alters, wäre das fatal für mich. Ich bin jetzt 68 – wie sollte ich da nochmal neu anfangen…

Gibt es modische Trends, denen sie nicht so viel abgewinnen können?
Momentan sind ja die knöchelkurze Hochwasserhosen ‚in‘. Da habe ich mich am Anfang schon etwas gewundert. Aber ich stelle mich auf alles ein, letztlich muss es immer zum Typ passen. Manchmal kommen die Kunden aber auch und fragen mich: „Wie trägt man es denn heute?“ Das ist dann schwierig zu beantworten. Ich kann jetzt nicht einem alten Herren die Hose knöchellang machen, bloß weil das gerade modisch ist. Dann beschwert der sich am Ende. Bei Röcken ist das genauso. Wer einen dicken Hintern hat, sollte sie eher etwas länger tragen. Ich versuche da immer gut zu beraten. Da ich viele meiner Kunden schon viele Jahre kenne und weiß, wie ihre Kommode ist, kann ich in der Regel gut einschätzen, was passen könnte.

Müssen Sie manchmal Aufträge ablehnen?
Inzwischen bin ich schon so weit, dass ich manche Sachen nicht annehmen kann, weil ich Probleme mit meinem Rücken habe. Das fällt mir dann aber sehr schwer. Ich sage immer: „Alles, was unter die Maschine passt, mache ich.“ Ich habe sogar schon mal für einen Hund einen Kragen genäht. Die Kundin war mit einem Pelzkragen, ich glaube das war Nerz, zu mir gekommen. Ich habe das Tier dann auf meinen Tisch gestellt und Maß genommen, genau so, wie ich es bei einem Menschen auch machen würde. Das war wirklich verrückt! Ich freue mich immer über ausgefallene Wünsche, bei denen ich erst mal überlegen muss, wie ich sie überhaupt umsetzen kann. Ich bin wirklich gerne Schneiderin und habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Wer kann das schon von sich sagen…

Nähen sie auch für sich selbst?
Hosen, Jeans, Pullis und mal eine Bluse kaufe ich mir. Das ist so aufwändig zu nähen – das schaffe ich nicht. Ein ausgefallenes Kleid oder auch einen Wintermantel würde ich mir aber immer selbst nähen. Das sind so besondere Sachen, die man über viele Jahre hat. Maßanfertigungen für Kunden mache ich inzwischen allerdings nicht mehr. Ich habe seit einigen Jahren so viel mit den Änderungen zu tun, dass ich das nebenher nicht schaffe.

Foto: Anke Hohmeister

Sie haben ja den ganzen Tag mit Stoffen und Garnen zu tun. Welche Stoffe halten sie am liebsten in den Händen?
Auf jeden Fall Naturfasern. Seide, Wolle, Leinen. Alles, was Synthetik/Kunstfaser ist, mag ich gar nicht. Aber das überwiegt natürlich.

Kleidung ist für viele Menschen zu einem Wegwerfprodukt geworden, das billig zu haben und schnell ersetzt ist. Inwiefern bekommen sie das als Änderungsschneiderin zu spüren?
Das ist ganz unterschiedlich. Manche meiner Kunden legen Wert auf Qualität. Andere kommen aber auch mit ihrer 3-Euro-Hose und wundern sich, dass der Reißverschluss nach dem zweiten Mal tragen gerissen ist. Wenn ich dann sage, dass ein neuer Verschluss 12 Euro kostet, kaufen sie sich lieber gleich eine neue Hose. Was das Material angeht, merke ich bei Jeans qualitativ einen deutlichen Unterschied zu früher. Bis vor ungefähr zehn Jahren waren die Hosen ja alle aus stabilem Denim, also Baumwolle. Seitdem das Strech-Verfahren mit Elasthan eingeführt wurde, sitzen sie zwar schön eng und bequem, sind aber nicht mehr so langlebig. Ich habe in der Woche im Schnitt mindestens zehn Hosen, wo etwas durchgescheuert ist – am Gesäß, an den Oberschenkeln oder an den Knien. Das gab es früher nicht. Da waren eher die Reißverschlüsse das Problem. Ich führe das darauf zurück, dass die Hosen heutzutage mehr auf Hüfte geschnitten sind, was auch die Reißverschlüsse kleiner macht. Optisch finde ich das aber oft unvorteilhaft: Selbst bei sehr schlanken Frauen verändert sich in diesen Hosen die Figur zum Negativen. Über dem Hosenbund ist dann immer so eine kleine Speckrolle, selbst wenn die Hose ausgezogen wird, sieht man die noch, weil sich die Haut danach formt. Die Hosen, die bis zur Taille gehen, sind vorteilhafter – die machen auch einen schöneren Po.

 

Bald wieder im Kino

 

Liebe Menschen aus dem Schillerkiez,

Am 8.12.2018 feiern wir unser diesjähriges Schillerfilmfest. Eine Kinoveranstaltung an der Kurzfilme von Kindern und Jugendlichen aus dem Schillerkiez im Kino in den Neukölln Arkaden zu sehen sein werden. Kurzfilme, die im Rahmen der medienpädagogischen Projektarbeit der Schillerwerkstatt entstanden sind. Es handelt sich dabei um Kooperationsprojekte mit Schulen und Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen aus unserer Nachbarschaft.

Die Eckdaten:

  • Datum: 8.12.2018
  • Uhrzeit: 14:30 bis 16:00 Uhr
    • Ablauf:
      • 14:30 – 15:00 Uhr: Empfang, Getränke- und Popcorn-Ausgabe
      • 15:00 Uhr: Grußworte und im Anschluss Filmprogramm
        • Zu Gast: Bezirksbürgermeister Martin Hikel
      • 15:00 Uhr bis 16:00 Uhr: Filmprogramm
  • Ort: Cineplex Neukölln, Saal 2
    Kino in den Neukölln Arkaden
    Karl-Marx-Straße 66
    12043 Berlin
  • Eintritt frei, inkl. Getränk und Popcorn

Kurz zur Geschichte:
Diese Veranstaltungsreihe, in der jährlich zum Jahresende die Ergebnisse von Filmworkshops mit Kindern und Jugendlichen aus dem Schillerkiez präsentiert und gefeiert werden, findet seit 2012 statt. Seit 2014 finden sie im Rahmen der Projektarbeit der Schillerwerkstatt, der Medienwerkstatt im Schillerkiez, statt. Und ab diesem Jahr trägt diese Veranstaltungsreihe den Namen Schillerfilmfest.

Im diesjährigen Filmprogramm werden voraussichtlich Ergebnisse aus den Kooperationen mit der Schilleria, der Kinderwelt am Feld, der Karl-Weise-Schule und der Karlsgarten-Schule zu sehen sein. Darüber hinaus waren weitere Kooperationspartner in den vergangenen Jahren u.a. das YO!22, die Hermann-Sander-Schule, sowie weitere Einrichtungen außerhalb unseres Kiezes, wie z.B. Young Movie Makers, die Bürgerstiftung Neukölln, das Albert-Einstein-Gymnasium oder Moviemiento e.V., die sich z.T. auch mit Gastbeiträgen an den Veranstaltungen beteiligt haben.

 

Wir freuen uns auf euer zahlreiches Erscheinen!

Liebe Grüße,
Das Team der Schillerwerkstatt

Liebe Wegbegleiter*innen,

liebe Freund*innen, liebe Nachbar*innen,

wir laden euch herzlich zu unserem großen Herbstfest ein!
Die Einladungskarte findet Ihr anbei.

Datum: 19.10.2018
Uhrzeit: ab 16 Uhr (bis ca. 20 Uhr)
Ort: Nachbarschaftshaus Vielfalt, Karlsgartenstraße 6

Für Kulinarisches ist gesorgt.

Wir freuen uns sehr auf euer Kommen!
Und bitten um eine kurze Rückmeldung, damit wir genügend Essen zubereiten 🙂
Spontanbesuche sind aber natürlich auch immer willkommen!!!

Euer Schillerwerkstatt-Team

Alles alte Kamellen? Geschichten übers Altwerden im Schillerkiez

Nach mehreren Magazinen, die Kinder und Jugendliche und ihre Sicht auf die Welt in den Fokus gerückt haben, widmen wir uns in unserer neuesten Publikation dem Thema Alter. Ab wann gilt ein Mensch als alt und bis wann noch als jung? Entscheidet ein ergrauter Haarschopf darüber, ob jetzt das Altsein oder das Altwerden eingesetzt hat, oder der tatsächliche Eintritt ins Rentenalter? Und wie sieht es mit dem gefühlten Alter aus, das für viele Menschen nicht mit dem tatsächlichen Alter übereinstimmt?

Als wir vor einigen Monaten begannen Geschichten für dieses Magazin zu recherchieren, war ein erklärtes Ziel, auf die alten Menschen und das Altwerden im und um den Schillerkiez ein positives Schlaglicht zu werfen; ganz im Sinne des Wortursprungs von „Alter“ (germanisch „ala“ = wachsen, nähren).

Wir mussten schnell feststellen, dass dieses Schlaglicht von vielen gar nicht gewollt ist. „Altern muss jeder, aber darüber reden? Nein, danke.“ So oder so ähnlich lauteten Antworten, die wir auf Interviewanfragen bekamen. In vielen Fällen wurde uns auch gar nicht erst geantwortet. Eine Seniorin empfahl deshalb, bei Anfragen besser auf Wörter wie „Alter“ zu verzichten und stattdessen z.B. von „Tradition“ zu sprechen. Das klänge dann weniger abschreckend.

Besonders dankbar sind wir daher den Menschen, die Lust hatten, bei diesem Magazin mitzuwirken und von verschiedenen Facetten des Altwerdens zu erzählen. Entstanden sind Geschichten über eine Eckkneipe und einen Eierladen mit Kultstatus, über die Schwierigkeit, im Alter eine Wohnung zu finden, über das Leben mit Hunden und über die wundersame Verbindung zwischen einem queeren Club und einer Seniorenwohnanlage.

Darüber hinaus waren wir zu Besuch bei einer Seniorentheatergruppe und bei einem Mann, der seit 50 Jahren im Schillerkiez wohnt. In einem Straßenportrait beleuchten wir die abwechslungsreiche Geschichte der Schillerpromenade und in einer Reportage das Altern von Bäumen in der Stadt. In einer Fotoreihe zeigen wir außerdem in die Jahre gekommene Fassaden.

Das gesamte Magazin findet ihr in digitaler Form hier:
Magazin_MenschAlter!_PDF

In gedruckter Form liegt das Magazin u.a. hier aus:
Schillerwerkstatt (Karlsgartenstraße 6)
Quartiersmanagement Schillerpromenade (Schillerpromenade 10)
Gold-Ei (Weisestraße 11)
Mahlower Klause (Weisestraße 63)

Wir wünschen euch viel Spaß bei der Leküre!

 

Die Peers der Kinderwelt am Feld

Seit fünf Jahren engagiert sich eine Gruppe Neuköllner Jugendlicher als Peerhelper im Jugendclub „Kinderwelt am Feld“. Ein filmisches Porträt dokumentiert ihre Arbeit.


Über einem Jahr lang begleitete die Schillerwerkstatt die Peers der „Kinderwelt am Feld“ bei ihrer wertvollen Arbeit. Die Peers waren nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera. Sie befragten sich gegenseitig und mischten kräftig mit beim finalen Filmschnitt ihrer eigenen Doku. Entstanden ist ein berührendes Porträt, in dem die Jugendlichen ganz offenherzig von sich erzählen und zeigen, wer sie sind und was sie dazu bewegt sich zu engagieren.

HIER könnt ihr die Doku in voller Länge sehen.

Türkischkurs als Schnitzeljagd

Sprachlehrerin Deniz Julia Güngor freut sich auf motivierte Kiezschüler!

Einen – garantiert kieztauglichen – Sprachkurs „Türkisch für Anfänger” gibt es jetzt auch für unterwegs. Mit der App Actionbound könnt ihr die Lektionen direkt auf dem Wochenmarkt, im Reisebüro oder in der Moschee beackern – wie bei einer Schnitzeljagd.

Text: Cara Wuchold

„Türkisch für Anfänger”, so hieß schon ein Sprachkurs auf neukoellner.net – und den gibt es jetzt auch als Actionbound-App. Wie bei einer Schnitzeljagd könnt ihr euch damit einen kleinen Wortschatz, ein bisschen Grammatik und kulturelles Wissen aneignen. Deniz Julia Güngor, Turkologin und Chefin von „Sprachen für Feinschmecker“, stellt euch darin, gemeinsam mit der neukoellner.net-Redakteurin Cara Wuchold, Menschen, Läden oder Plätze vor, um euch vertrauter zu machen mit dem „türkischen Neukölln“.

Die einzelnen Lektionen beackert ihr direkt vor Ort, sei es in einer Nussrösterei, auf dem Markt am Maybachufer oder in Deniz‘ Supermarkt des Vertrauens, in einem „dönerci“, „terzi“ oder „kuaför“. So taucht ihr tiefer in die Vielfalt eures Bezirks ein – auch mithilfe von Audios, dann habt ihr den Klang gleich im Ohr. Türkisch lernt ihr so ganz nebenbei, in kurzen Dialogen, Grammatikeinheiten oder in einem Quiz. Und wie gesagt: Das ist garantiert kieztauglich!

Zur „Türkisch für Anfänger”-App also hier entlang. Einfach Actionbound kostenlos auf eurem Smartphone herunterladen, den Barcode kopieren – und los geht’s!

Dieser Sprachlern-Bound entstand innerhalb des Projektes „Medienwerkstatt im Schillerkiez”, gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen der Zukunftsinitiative Stadtteil, Teilprogramm Soziale Stadt.

Kiezkinder in der Natur – eine Schülerzeitung zum Thema Wald


Wie fühlt sich Moos in den Händen an? Wie lässt sich ein Zelt aus Stöcken und Blättern bauen? Zu welchem Tier gehört die Spur auf dem Boden? Da sich solche Fragen nicht auf der Schulbank beantworten lassen, fährt die Elefantenklasse S4 der Karl-Weise-Schule einmal im Monat raus in den Wald, genauer gesagt in den Grünauer Forst.

16 Schüler und Schülerinnen zwischen 6 und 10 Jahren treffen sich dort mit zwei Waldpädagoginnen, die spielerisch den Lebens- und Naturraum Wald begreif- und erlebbar machen. Vogelstimmen werden gemeinsam imitiert und bestimmt, Fußspuren gelesen und der Kampf der Jahreszeiten mit einer Art Ringkampf nachempfunden. Bei ihren Ausflügen in den Wald sammeln die Kinder auch Naturmaterialien, die sich bei der Rückkehr in die Unterrichtsräume zu fantasievollen Wesen zusammen setzen lassen.

Dank des engagierten Einsatzes der zwei Lehrerinnen der Elefantenklasse konnte aus den Eindrücken, die die Kinder von den Waldtagen mitgenommen haben, in den letzten Monaten eine bunte Schülerzeitung entstehen, die von uns als Schillerwerkstatt redaktionell und grafisch betreut wurde.

Auf insgesamt 24 Seiten, die ihr hier in digitaler Form sehen könnt, stellt die Klasse sich und ihre Natursammlungen in Form von kleinen Texten, Gedichten, Zeichnungen und Collagen vor.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Stöbern!

 

GrafikerInnen gesucht!

Im Rahmen von einzelnen Projekten unterschiedlichen Umfangs suchen wir Unterstützung bei grafischen Gestaltungsarbeiten.

Die betreffenden Projekte können sehr unterschiedlich sein; z.B:

  • Erstellung von Flyer/Plakaten
  • Beratung im Themenbereich Öffentlichkeitsarbeit
  • Gestaltung von Printpublikationen
  • Entwicklung von grafischen Konzepten für neue Projekte
  • u.v.a.

Beispiele einiger unserer bisherigen Projekte könnt ihr u.a. hier sehen: http://www.schillerwerkstatt.de/tag/druck/

Wenn ihr an einer Zusammenarbeit interessiert seid, schickt uns bitte bis zum 18.5.2017 eine kurze Bewerbung mit Arbeitsproben an: info@schillerwerkstatt.de

Die Vergütung der Arbeit wird je nach Umfang des jeweiligen Projektes anhand eines für alle Projektbeteiligten geltenden einheitlichen Stundensatzes berechnet und vorab vereinbart.

Wir freuen uns auf Post von euch.

Vielen Dank!

Euer Team der Schillerwerkstatt

Making of zur Entstehung eines besonderen Rap-Projekts

 

Die Mädchen der Schilleria und vom Mädchenzentrum Szenenwechsel schicken ihre Message in die Welt: „Mädchen halten zusammen!“ heißt der Rapsong den sie letzten Herbst gemeinsam geschrieben und gerappt haben. Obwohl es für einige der erste Rapauftritt war, ist der Song einen regelrechten Ohrwurm. Den Entstehungsprozess haben sie, unter Begleitung der Schillerwerkstatt, auch gleich selbst dokumentiert.

Das Kita-Magazin „Maxi Kinder“ ist draußen

Wir haben es wieder getan. Im Endspurt der Schillerwerkstatt wiederholten wir unser Kita Projekt mit der Kita Mini-Mix-International. Es hat erneut großen Spaß bereitet, mit den Kids ihre Medienhelden zu basteln und ihnen die Fotografie etwas näher zu bringen.

 

 

 

 

 

 

Kürzlich haben wir die fertigen Zeitschriften den Kindern übergeben, die sofort stolz darin herumblätterten. Immer ein schönes Erlebnis für uns den ganz Kleinen eine Freude zu machen.

Klickt auf den Link, seht euch das Ergebnis an und erfahrt mehr über das Kooperationsprojekt.

Viel Spaß dabei wünscht eure Schillerwerkstatt!

Link zur Zeitschrift „Maxi Kinder“

„Mach dein Medienprojekt“: Unser Handbuch in der Onlineversion

handbuch_beitragsbild

Dieses Handbuch zeigt einen Querschnitt durch die von uns 2015/16 im Schillerkiez durchgeführten Angebote, aufgeteilt in die Kategorien Film, Druck, Offene Werkstatt und Bounds (digitale Schnitzeljagden).

Projekbeispiele

Dort findet ihr nach einer Kurzbeschreibung ausgewählter Projekte auch eine ausführlichere Anleitung und Hilfestellungen zur Umsetzung eines eigenen Medienprojektes.

Do it yourself

Die Kurzbeschreibungen sollen dabei v.a. zur Ideenanregung dienen – den inhaltlichen Themen und kreativen Umsetzungsmöglichkeiten sind natürlich keine Grenzen gesetzt.

Hier gelangt ihr zu Online-Version des Handbuchs. Und hier zum Plakat.

Viel Spaß beim Stöbern!

 

Das war das chiller Filmfestival 2016

sw_chiller2016_feat_1200x650pxIt’s a wrap! Das chiller Filmfestival 2016 ist vorbei und war – wie auch schon in den vier Jahren zuvor – ein voller Erfolg!

Knapp 80 Zuschauer füllten am frühen Samstag Nachmittag den Kinosaal im Cineplex Karli Kinocenter in den Neukölln Arcaden. Natürlich bestens gelaunt und perfekt ausgestattet mit freiem Popcorn und freien Getränken. Die Schirmherrschaft über das Festival hat die Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey.

Bezirksstadtrat Jochen Biedermann eröffnete diese Jahr das chiller Filmfestival.

Bezirksstadtrat Jochen Biedermann eröffnete diese Jahr das chiller Filmfestival.

Eröffnet wurde das Festival von Jochen Biedermann (Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Bürgerdienste), der sich ganz besonders darüber freute, bei all den vielen Terminen endlich wieder eine Möglichkeit zu haben, ins Kino gehen zu können.

Diese Filme bildeten das Programm für das 5. chiller Filmfestival:

„Searching Shahed” (Trailer / Schilleria)
Das Mädchen Shahed (15) ist vom syrischen Bürgerkrieg geflohen und wurde in Berlin zuerst in der Jahnsporthalle untergebracht. Dort erzählte sie den Filmmacherinnen von der Schilleria die Geschichte von ihrer Flucht. Als die Unterkunft geschlossen wurde, verliert sich die Spur von Shahed. Die Dokumentation macht sich auf die Suche nach ihr. Gezeigt wurde dieses Jahr der Trailer zur Dokumentation. Der komplette Film wird auf dem nächsten chiller Filmfestival uraufgeführt.

„Creatures of life“ (Musikvideo / Karl-Weise-Schule)
Musikvideo der Klasse S3 der Karl-Weise-Schule. Die Musik stammt vom Lehrer der Klasse, Dennis Degenhardt, die Kostüme haben die Kinder selbst entworfen. Gedreht wurde das Video bei Grünau.

„Die Peers der Kinderwelt am Feld“ (Dokumentation / Kinderwelt am Feld)
Porträt über die Arbeit einer Gruppe Neuköllner Jugendliche, die sich seit fünf Jahren als Peerhelper in ihrem Jugendclub „Kinderwelt am Feld“ engagieren.

„Die Zauber-App“ (Kurzfilm / Bürgerstiftung Neukölln & Volkshochschule Neukölln)
Die beiden Mädchen Meryem und Azra beschließen Youtube-Stars zu werden und benutzen dafür eine magische App. Mit der Hilfe der App entsteht ihre Show „It’s my life, Mezrah“.

„Die Flucht aus Chile“ (Dokumenation / Bürgerstiftung Neukölln & Volkshochschule Neukölln)
Doku-Drama über die Flucht von zwei Schwestern vor dem Pinochet-Regime aus Chile nach Deutschland.

„Mädchen halten zusammen“ (Dokumentation / Schilleria & Szenenwechsel)
Das „Making Of” zum gleichnamigen Rapsong, der von dem Mädchencafé „Schilleria“ und dem Mädchenzentrum „Szenenwechsel“ für den internationalen Mädchentag geschrieben und produziert wurde. Die Dokumentation begleitet den kompletten Produktions-Prozess, den die 13 Mädchen der beiden Mädchenclubs in nur vier Tagen durchlaufen sind.

Für alle Gäste beim chiller Filmfestival gab es freies Popcorn und Getränke.

Für alle Gäste beim chiller Filmfestival gab es freies Popcorn und Getränke.

Alle Filme entstanden im Rahmen von Film-Workshops in Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern: Schilleria, Kinderwelt am Feld, Karl-Weise-Schule und im Rahmen des talentCAMPus Neukölln initiiert durch die Bürgerstiftung Neukölln, in Kooperation mit der Schillerwerkstatt und der Volkshochschule Neukölln

Das Filmfestival der Schillerwerkstatt soll der Jugend in Neukölln eine Bühne bieten und zusätzlich als Austauschplattform zwischen Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Schulen und Freizeiteinrichtungen, zwischen Mitarbeitenden der unterschiedlichen Einrichtungen und generell zwischen allen AnwohnerInnen und FreundInnen des Kiezes dienen. Das Besondere: Die Kinder und Jugendliche sind von der Idee bis zur Endproduktion der Filme dabei und bekommen dadurch Einblick in den kompletten kreativen Prozess und die Produktion der Kurzfilme.

Wir sehen uns nächstes Jahr beim 6. chiller Filmfestival!

Beim chiller Festival stellten Neuköllner Kinder und Jugendliche ihre Kurzfilme vor.

Auf ein Fünftes! So wird das kommende chiller Filmfestival

Beim chiller Festival stellten Neuköllner Kinder und Jugendliche ihre Kurzfilme vor.

Beim chiller Festival stellen Neuköllner Kinder und Jugendliche ihre Kurzfilme vor.

Mittlerweile zum 5. Mal präsentieren Kinder und Jugendliche aus dem Schillerkiez im Rahmen einer jährlichen Kinoveranstaltung ihre selbst gedrehten Filme. Ein Filmprogramm bestehend aus 6 Kurzfilmen (insgesamt 1 Stunde Filmmaterial), in denen sich die jungen Menschen mit sich selbst, ihren Mitmenschen und ihrer Umgebung auseinandersetzen.

Der Eintritt zum „chiller Filmfestival“ ist kostenfrei.
Und für alle BesucherInnen gibt es Popcorn und Getränke!!! 🙂

Datum, Uhrzeit: 3. Dezember 2016, 15 bis 16 Uhr, Einlass ab 14:30 Uhr
Ort: Cineplex Neukölln (Saal 2), das Kino in den Neukölln Arcaden,
Karl-Marx-Str. 66, 12043 Berlin

Die Filme entstanden im Rahmen von Film-Workshops in Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern: Schilleria, Kinderwelt am Feld, Karl-Weise-Schule und im Rahmen des talentCAMPus Neukölln initiiert durch die Bürgerstiftung Neukölln, in Kooperation mit der Schillerwerkstatt und der Volkshochschule Neukölln.

Wir freuen uns sehr, dass in diesem Jahr unsere Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey die Schirmherrschaft über das chiller Filmfestival übernommen hat!!

Junge KiezreporterInnen on the Road

 

In den Herbstferien 2016 stellten sich MedienpädagogInnen der Bürgerstiftung Neukölln gemeinsam mit Kindern aus der Nachbarschaft die Frage: Wie leben Wir zusammen? Beim talentCAMPus wurden die Kinder zu Neuköllner Kiez-ReporterInnen. Und hier sind ihre Ergebnisse!

Dieses Projekt wurde von der Bürgerstiftung Neukölln initiiert und fand im Rahmen des talentCAMPus Neukölln in Kooperation mit der Volkshochschule Neukölln, dem Familienzentrum Schillerkiez und der Schillerwerkstatt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, statt.

Workshops: Unsere Winteredition

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Zum Ende des Jahres lädt die Schillerwerkstatt alle Interessierten nochmal zu einem intensiven Workshopprogramm ein! Ab Anfang November finden fünf Wochen lang Kurse zu den Themen Fotografie, Radio, Selbstvermarktung im Netz, Film, Kreatives Schreiben und Journalismus statt. Die Kurse sind, wie immer, kostenlos! 

Die Workshops finden im Familienzentrum in der Karlsgartenstraße 6 statt. Anmelden könnt ihr euch ganz unkompliziert per Mail bei den jeweiligen Workshopleitern. Bitte vergesst dabei nicht euren vollen Namen, eure Adresse und eure Handynummer anzugeben. Am Ende der Kurses bekommt ihr ein Teilnahme-Zertifikat von der Schillerwerkstatt.

Für detaillierte Informationen zu den einzelnen Workshops klickt bitte einfach auf die untenstehenden Angebote. Aktuelle Informationen findet ihr immer auch unter dem Menüpunkt Veranstaltungen oder in der Seitenspalte auf unserer Startseite.
Sollten mehr Anmeldungen eingehen, als berücksichtigt werden können, haben Personen, die im Schillerkiez wohnen, Vorrang

Zweitägiger Workshops: Wie erstelle ich einen Hörfunk-Beitrag?
9
. und 10. November 2016 

An beiden Tagen von 18:30 bis 21:30

Eintägiger Workshop: Professionelles Auftreten im Netz
15. November 2016
19:30 bis 22:00

Zweitägiger Workshop: Fotografie – die Basics Teil I und Teil II
18. November 2016
18:00 bis 21:30
19. November 2016
12:00 bis 16:00

Zweitägiger Workshop: Biografisches Schreiben – Teil I und Teil II 
20. November 2016
14:00 bis 18:00
13. Dezember 2016
16:00 bis 19:00

Zweitägiger Workshop: Wie schreibe ich journalistisch?
2
4.  und 25. November 2016
An beiden Tagen von 19:00 bis 22:00

Zweitägiger Workshop: Wie drehe ich meinen eigenen Film?
2
6. und 27. November 2016
An beiden Tagen von 16:00 bis 20:00

Zweitägiger Workshop: Kreatives Schreiben für Film und Literatur Teil I und Teil II 
28. und 30. November 2016
An beiden Tagen von 18:00 bis 22:00

Zweitägiger Workshop: Einführung in den analogen Fotodruck Teil I und Teil II
2. Dezember 2016
19:00 bis 22:30 
3. Dezember 2016
17:00 bis 21:00

Eintägiger Workhop: Handy-/Tabletrallyes erstellen kann jeder, mit Actionbound! 
6. Dezember 2016
16:00 bis 21;00

 

Radio-Workshop für Kinder und Jugendliche

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Beim talentCAMPus könnt ihr zu Neuköllner Kiez-ReporterInnen werden! Ihr zieht mit dem Mikrofon los und erforscht, aus wie vielen Sprachen das Neuköllner Miteinander eigentlich besteht. Dabei lernt ihr spannende Tipps und Tricks von einer professionellen Journalistin und erstellt eure eigene Radio-Reportage!

Es gibt täglich ein warmes Mittagessen und die Teilnahme am Workshop ist kostenfrei.

Kommt mit auf eine kulturelle Entdeckungsreise durch Neukölln!“

Im Flyer sind alle Infos zum Projekt und zur Anmeldung enthalten.
(Hier klicken)

Dieses Projekt wurde von der Bürgerstiftung Neukölln initiiert und findet im Rahmen des telentCAMPus Neukölln in Kooperation mit der Volkshochschule Neukölln, dem Familienzentrum Schillerkiez und der Schillerwerkstatt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, statt.