Donauwelle 7
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Kiezgedächtnis trifft Kiezgestein

1929 eröffnete der Karstadt am Hermannplatz und galt fortan als Symbol der Goldenen Zwanziger. Doch nicht alles war Glanz und Gloria. Unser Kiezgedächtnis Hans und Reni Babkuhl erinnern sich. 

Das Warenhaus Karstadt, nachdem es gesprengt worden war (1946) @Karstadt Archiv

Der Podcast* zum Beitrag. Hört rein:

Poster zur Eröffnung des Karstadts im Jahr 1929 @Karstadt Archiv

Eröffnung mit Pomp

“Alles was zur Frau gehört”: Mit diesem Tanzschlager eröffnete die Rudolph-Karstadt AG im Jahr 1929 am Hermannplatz das modernste und größte Kaufhaus Europas. Fast 70.000 Quadratmeter Verkaufsfläche erstreckten sich über sieben Stockwerke. Mit seinem Dachgarten und drei Lichthöfen galt das Warenhaus als Attraktion.

Görkemli Açılış

“Kadına Ait Her Şey”: Rudolph-Karstadt AG tarafından 1929 yılında bu reklam sloganı ile Avrupa’nın o zamana kadar ki en modern ve en büyük mağazası Hermannplatz’da açıldı. Yedi kata yayılan yaklaşık 70.000 metrekarelik bir AVM. Çatısında bahçesi ve kapalı ve sütunlu üç avlusu ile bu büyük mağazalar cazibe merkezi olarak görülüyordu.

“Ich bin am Kottbusser Damm Nähe Zickenplatz, heute Hohenstaufenplatz, geboren und kenne den Hermannplatz so lange, wie ich lebe. Die großen Verkaufsräume sind mir noch in Erinnerung und die Fahrstühle mit den Liftboys, die jede Etage mit den Waren ansagten. Ich weiß noch: In der fünften Etage waren Lebensmittel und in der vierten Spielwaren. Im Turm an der Hasenheide war der Friseur mit Onkel Pelle, dem Kinderfriseur. Er setzte sich immer eine rote Nase auf und eine Clownsmaske. Da hatten wir als Kinder nie Angst beim Haareschneiden. Außerdem waren in diesem Turm auch der Fotograf und die Sportabteilung.”

Erinnerung von Hans Babkuhl, Jahrgang 1936, und Reni Babkuhl, Jahrgang 1940

Der Kinderfriseur im Karstadt (1930er Jahre) @Karstadt Archiv
Der große Lichthof um 1930 @Karstadt Archiv

Nicht alles war Glanz & Glitter

Hinter der imposanten Fassade regelte eine strenge Arbeitsordnung den Alltag der Angestellten, die mehrheitlich weiblich waren. Die wöchentliche Arbeitszeit betrug 48 Stunden und die Arbeitskleidung musste in schwarz gehalten werden. Durch das übermäßig lange Stehen und das “Hetztempo” waren die Verkäuferinnen erheblichen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt.

Her şey O Kadar da Işıltılı ve İhtişamlı Değildi

Heybetli dış cephenin gerisinde çoğu kadınlardan oluşan çalışanların gündelik hayatını sıkı bir çalışma düzeni yönetiyordu. Haftalık çalışma 48 saat olarak belirlenmişti. Satış asistanları çok uzun saatler ayakta durmaktan ve „hızlı tempo“/stres nedeniyle ciddi sağlık tehlikeleriyle yüzyüze geliyordu.

Nationalsozialistischer Musterbetrieb

Aufgrund der Weltwirtschaftskrise und der unvorsichtigen Expansionspolitik des Karstadt-Konzerns mussten in den 1930er Jahren mehrere Etagen geschlossen werden. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden alle jüdischen Beschäftigten entlassen. Auch während der Olympiade 1936 stellte die Unternehmensleitung ihre Regimetreue unter Beweis und inszenierte mit einer Ausstellung zu dem Sportereignis ein heiles Bild des Dritten Reiches.

Nasyonel Sosyalist İşletme Modeli

1930’larda Dünya Ekonomik Buhranı sebebiyle birkaç katın kapatılması gerekti. Nasyonel Sosyalistler iktidara gelince tüm Yahudi çalışanlar işten çıkarıldı. Yönetim 1936 Olimpiyatları sırasında da rejime bağlılığını gösterdi. Üçüncü Reich’ın sağlıklı ve dayanıklı olduğunu vurgulamak adına olimpiyatlardan etkinlikler burada sergilendi.

Die zur Olympiade geschmückte Warenhaus-Fassade 1936 @Museum Neukölln
Ruine des Warenhauses Karstadt um 1946 @Karstadt Archiv

“Während des Krieges war auf diesem Turm ein Flakgeschütz in Stellung, welches bei Luftangriffen fleißig geschossen hat. Bei den Fliegeralarmen sind wir zuerst in die U-Bahn gegangen, untere Ebene. Später wurde ein Bunker am Hermannplatz gebaut, der bis heute noch existiert. In den 80er Jahren wurde mal eine Übung gemacht, und es waren 3.000 Leute im Bunker. Da sind Betten, Decken, Brot in Dosen im Vorrat. Das Karstadt-Gebäude überstand den Krieg fast unbeschädigt, bis die Russen kurz vor Berlin standen, da wurde das Gebäude von der Waffen-SS gesprengt. In den riesigen Kellerräumen waren nämlich Mengen an Lebensmitteln eingelagert, und die sollten nicht in die Hände des Feindes kommen. Die Anwohnenden der Umgebung haben das natürlich entdeckt, sind dann in die Kellerräume gelangt und haben sich mit den Vorräten eingedeckt. Im Keller waren riesige Kessel mit der süßen Kondensmilch, die wurden eimerweise abgefüllt. Das war eine schöne, süße Zeit.” 

Erinnerung von Hans Babkuhl, Jahrgang 1936, und Reni Babkuhl, Jahrgang 1940

*Der Podcast zum Beitrag wurde im Rahmen unserer Workshop-Reihe „Podcast DIY“ von Lucilia Westphal, Stefanie Battisti und Hans Babkuhl erstellt.


Schule – Welche Gefühle löst das Wort bei euch aus? Freude, Neugier, warme Erinnerungen? Wenn nicht: Warum eigentlich nicht? 

Wie müsste Schule sein, damit sich alle wohlfühlen und gut lernen können? Und wer sollte darüber entscheiden? Wir haben mit Menschen gesprochen, die sich auskennen: mit Schüler*innen und ihren Bezugspersonen, mit Pädagog*innen und Aktivist*innen. Wir haben eine Schulklasse besucht, eine Straßenumfrage durchgeführt, unsere Bildungswege als Comic gemalt und uns angeschaut, wie Bildungsabschlüsse mit dem sozialen Status zusammenhängen. Klar ist: Schule will anders – und braucht dazu Unterstützung!

Gute Lektüre und gute Schule für alle!

School, reimagined 

School – What feelings does the word evoke in you? Joy, curiosity, warm recollections? If not, why not? 

How should schools be so that everyone feels at ease and can learn well? And who should decide that? We spoke with those who know: students and their parents, educators, and activists. We visited a classroom, conducted a street survey, illustrated stories about our school life as comics, and examined how educational achievements are linked to social status. One thing is clear: school wants to reimagine itself – and it needs support to get there!

Enjoy reading!

Okul – Bu kelime, sizde hangi duyguları uyandırıyor? Sevinç, merak, güzel anılar? Peki bu duyguları uyandırmıyorsa neden acaba?

Herkesin kendini rahat hissetmesi ve iyi öğrenebilmesi için okul nasıl olmalı? Peki buna kim karar vermeli? Ne hakkında konuştuklarını bilen insanlarla konuştuk: öğrencilerle ve onların bakıcılarıyla, eğitimciler ve aktivistlerle. Bir okul sınıfını ziyaret ettik, sokak araştırması yaptık, eğitim yollarımızın karikatürünü çizdik ve eğitim niteliklerinin sosyal statüyle nasıl ilişkili olduğuna baktık. Şundan emin olduk: Farklı bir okul sistemine gerek var ve bunun için sizin desteğinize ihtiyaç var!

— Herkesin keyifli okuması!

المدرسة – ما هي المشاعر التي تثيرها هذه الكلمة فيكم؟ فرح, فضول, ذكريات دافئة؟  إذا لم يكن الأمر كذلك: لماذا لا؟

كيف ينبغي أن تكون المدرسة حتى يشعر الجميع بالراحة ويمكنهم التعلم بشكل جيد؟ ومن يجب أن يقرر ذلك؟

تحدثنا مع أشخاص أصحاب معرفة: مع طلاب ومقدمي الرعاية لهم، ومع المعلمين والناشطين. قمنا بزيارة فصل مدرسي، وأجرينا استطلاع رأي في الشارع ، ورسمنا كاريكاتيرًا عن مساراتنا التعليمية ونظرنا في كيفية ارتباط المؤهلات التعليمية بالوضع الاجتماعي. النتيجة واضحة: المدرسة يجب أن تتغير – وتحتاج إلى الدعم!

Hier findest du die Ausgabe als PDF

oder hol dir dein kostenloses Exemplar:

— Im Nachbarschaftshaus, Karlsgartenstr. 6
— Im QM-Büro, Donaustraße 7
— In der Helene-Nathan-Bibliothek, in den Neuköllner Arkaden

Die vorherige Ausgaben der Donauwelle
findest du auf der Seite der Kiezredaktion.

Die Donauwelle wurde im Rahmen des Projektes „Donaukiez macht Medien“ erstellt. Dieses Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten.

Quellenangabe:

Lothar Uebel, “Karstadt am Hermannplatz – ein gutes Stück Berlin”, KARSTADT Warenhaus AG, 2000

Bildnachweis:

KARSTADT ARCHIV: Anzeige zur Eröffnung, der große Lichthof, Kinderfriseur, Ruine Warenhaus

MUSEUM NEUKÖLLN: Olympiadenbanner


Dieser Beitrag erschien in der Ausgabe der Kiezzeitung Donauwelle am 1. Juli 2023. Die Donauwelle wurde im Rahmen des Projektes „Donaukiez macht Medien“ erstellt. Dieses Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten.

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