Die Kids-Redakteurinnen Eleni und May interviewen Serenad Yilmaz von „Food for Thought“ über Lernspiele: Wie man digitale Abenteuer erschafft, wie man Spieleentwicklerin wird und welche Tiere vorkommen.
von Eleni (9) und May (10 Jahre alt)

May: Wie programmierst du Spiele?
Serenad: Wir arbeiten im Team: Eine Person denkt sich die Regeln und den Ablauf aus, eine illustriert die Charaktere und Hintergründe, andere schreiben die Geschichte, und eine programmiert dann alles. Man kann auch alleine Spiele machen, aber es ist echt viel Arbeit.
Eleni: Mit wie vielen Jahren hast du zum ersten Mal ein Computerspiel gespielt?
Mein allererstes Spiel habe ich mit 10 oder 11 gespielt, auf dem Commodore 64.
Eleni: Hast du da Pacman gespielt?
Ja, und auch ein Fußballspiel. Wahrscheinlich war das “International Soccer”, eins der ersten Fußballspiele für den PC. Mit dem Programmieren habe ich vor über 20 Jahren angefangen. Damals habe ich Minispiele mit Flash gebaut.

May: Wie lange brauchst du, um ein Spiel zu machen?
Das kommt aufs Spiel an. Theoretisch könnte man eins an einem Wochenende machen. Für „Laika“ und unsere anderen Spiele haben wir über ein Jahr gebraucht. Es gibt aber auch riesige Spiele, an denen Tausende von Menschen fünf oder sechs Jahre lang arbeiten.
May: Machst du in deiner Freizeit noch was zum Thema Spielen?
Ich denke, dass vieles im Leben mit Spielen zu tun hat. Und wenn man viel mit Computerspielen zu tun hat, fängt man automatisch an, wie in einem Spiel zu denken. Selbst einen Kofferraum vollpacken kann sich anfühlen, als würde man Tetris spielen. Kennt ihr Tetris?
Eleni: Ja, das kenne ich. Mir geht es auch so, wenn ich „Kao the Kangaroo“ gespielt habe. Dann habe ich die ganze Zeit das Gefühl, ich bin ein Känguru und muss über Lava springen.

Kurz vor Redaktionsschluss erhielt Serenad übrigens den NRW-Förderpreis des Deutschen Entwicklerpreises. Glückwunsch! 🎉
https://deutscherentwicklerpreis.de/nominee/serenad-yilmaz/
May: Wie kamst du auf die Idee, Spiele zu erfinden?
Am Anfang war ich einfach neugierig, wie man mit Software Animationen erstellen bauen kann. Ich habe viele Spiele gespielt, erforscht und darüber geschrieben. Dann habe ich bei einer Computerspielfirma gearbeitet, und dort kam die Idee auf, Lernspiele zu machen. Es ging nicht ums Geld, sondern wir dachten: Es wäre schön gewesen, wenn es so ein Spiel gegeben hätte, als wir jung waren.
Eleni: Kannst du davon leben?
Bei “Sibels Reise” steht Sexualität im Mittelpunkt, und das ist für manche Familien ein sensibles Thema. Man kann das Spiel zwar für wenige Euro kaufen. Aber eigentlich wollen wir es an Schulen einsetzen und Workshops dazu anbieten. Die Finanzierung läuft hauptsächlich über Projektanträge, damit das die Schulen nichts kostet. Generell kann man in der Spieleindustrie gut leben, wenn man eine feste Stelle hat. In einem kleinen, unabhängigen Studio ist es aber riskanter: Vielleicht ist das eine Spiel erfolgreich, das nächste aber nicht.
Eleni: Man begibt sich also auf dünnes Eis.
Ja, das ist ein gutes Bild. Es hängt auch davon ab, welche Art von Spielen man macht. Zum Beispiel kann man mit Handyspielen ziemlich gut Geld verdienen, weil sie alle ähnlich funktionieren und alle so etwas spielen wollen. Wenn man dagegen Spiele für die PlayStation entwickelt, muss man am Anfang sehr viel Geld investieren.
May: Gibt es in deinen Spielen Tiere?
In „Laika“ gibt es viele Hunde, in „Sibels Reise“ einen Hund namens Mira und in „Leylas Spiel“ zwei Hunde und eine Katze. Aktuell machen wir ein neues Spiel: „Sarah’s Campaign Camp“. Es spielt auf einem Theaterfestival. Dort passieren lauter seltsame Dinge, es gibt Gerüchte über ein Phantom und eine mögliche Sabotage. Man muss herausfinden, was los ist. Es ist ein Rätselspiel, und hier kann man ein Tier spielen: einen Fuchs.
Eleni und May: Super. Vielen Dank.
Das Berliner Kollektiv Food for Thought entwickelt pädagogische Computerspiele. In “Laika – Die Spur des Goldenen Knochens” schlüpfen Spieler*innen in die Rolle von Detektiv*innen und lernen, Gefühle anderer zu verstehen. In “Sibel’s Journey” begleiten sie die 13-jährige Sibel durch Berlin und entdecken alles über Freundschaft, Körper, Beziehungen und Gender.
Berlinli kolektif Food for Thought pedagojik bilgisayar oyunları geliştiriyor. “Laika – Altın Kemiğin İzinde” adlı oyunda oyuncular dedektif rolüne bürünüyor ve başkalarının duygularını anlamayı öğreniyor. “Sibel’in Yolculuğu” adlı oyunda ise oyuncular 13 yaşındaki Sibel’e Berlin’de eşlik ederek; arkadaşlık, beden, ilişkiler ve toplumsal cinsiyet konuları hakkında bilinçleniyor.
تُطوّر مجموعة برلين المشتركة „فود فور ثوث“ ألعاب كمبيوتر تعليمية. في لعبة „لايكا – أثر العظم الذهبي“ يتقمص اللاعبون دور المحققين ويتعلمون فهم مشاعر الآخرين. في „رحلة سيبل“ يرافقون سيبل البالغة من العمر 13 عامًا عبر برلين ويكتشفون كل شيء عن الصداقة والجسد والعلاقات والجندر.
Dieses Interview erschien in der Ausgabe 12/2025 der Donauwelle. Dieses Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten.
