Donauwelle 12, Kiezredaktion der Donauwelle
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„Wir mussten eben improvisieren“

Vom Triesel auf der Straße bis zum Puppenspielen im Luftschutzkeller: Unser Kiezgedächtnis Hans und Reni Babkuhl erinnern sich an das Spielen in den 1940er-Jahren, als improvisierte Spiele den Alltag bestimmten.

Von Hans und Reni Babkuhl

Illustrationen von Irit Mogilevsky

Womit wir als Kinder gespielt haben, war schnell entschieden. In den Läden gab es ja kaum etwas zu kaufen. Also improvisierten wir. Wir mussten uns mit Holzstücken oder einem Triesel begnügen. Der Triesel war ein kegelförmiges Stück Holz mit Metallspitze. Man wickelte eine Schnur darum, zog sie blitzschnell weg, und schon drehte er sich. Mit einer Peitsche brachte man ihn immer wieder in neue, wilde Drehungen.

Dann gab es das Rollen: Wir steckten ein Stück Holz in die Achse eines Kinderwagenrads und bewegten das Rad mit einem langen Stock. Weil gerade die ersten Westernfilme in den Kinos liefen, imitierten wir dazu das Geräusch einer amerikanischen Eisenbahn. Außerdem waren auch die Ruinen in der Umgebung hochinteressant. Angst kannten wir erst, wenn wirklich etwas passierte. Stellt euch vor: Treibeball oder Völkerball mitten auf dem Kottbusser Damm! Wir mussten eben improvisieren, und gelangweilt hat sich niemand.

Hans, geboren 1936

Ich spielte die üblichen Kinderspiele: Verstecken, Einkriegezeck, Hopse, Seilspringen — und wenn wir Glück hatten, mit einem Ball. Meinen bekam ich von meinem Vater. Er hatte ihn durch seine Arbeitskraft eingetauscht, und er war schön bunt. Leider wurde der Ball dann von einem Auto erwischt und war kaputt. Manchmal bastelten wir uns aus Stoffresten einen Ersatzball, aber das machte längst nicht denselben Spaß.

Meine Puppe Grete verlor ich dann auch noch. Eines Tages kam mein Cousin mit seinem kleinen Sohn zu Besuch. Dem gefiel meine Grete so sehr, dass mein Vater sagte: „Gib ihm doch die Puppe.“ Damit war sie weg, und ich unendlich traurig.

Reni, geboren 1940


Dieser Beitrag erschien am 16. Dezember in der Print-Ausgabe der Donauwelle 12/2025. Die Donauwelle wird im Rahmen des Projektes „Wir sind der Donaukiez“ erstellt. Dieses Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten.

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