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Spielspaß ohne Stress

Worauf sollten Familien beim Gaming achten? Unser Kidsredakteur Jona und seine Mama haben mit Medienpädagoge Michael Gurt vom JFF* gesprochen. Hier sind Tipps, wie Familien Kinder beim Spielen unterstützen können.

Ein Gespräch von Jona und Katrin Friedmann mit Michael Gurt 

Spielmechanismen verstehen

Katrin: Mein Mann und ich arbeiten beide im digitalen Bereich und haben schon früh mit unseren Kindern über Medien gesprochen. Auch wenn es nicht immer einfach ist, haben wir eine gute Gesprächsgrundlage und reagieren flexibel auf die Bedürfnisse unserer Kinder.

Michael Gurt: Viele Games arbeiten mit Belohnungssystemen und sogenannten Dark Patterns – manipulativen Mustern, die eine Sogwirkung erzeugen. Das ist kein Zufall. Das müssen Eltern verstehen: Wenn Kinder Schwierigkeiten haben, ein gutes Maß zu finden, liegt das nicht daran, dass sie nicht verantwortungsvoll genug sind. Die Mechanik dahinter ist einfach sehr stark. Dazu gehören auch Push-Nachrichten oder “Streaks” – Belohnungen, die Nutzer*innen täglich ins Spiel zurückziehen. Mein erster Rat ist immer: Schaltet diese Benachrichtigungen aus. Sie bauen unnötigen Druck auf.

Jona: Bei Brawl Stars gibt es jetzt Streaks wie bei Duolingo. Wenn man sich täglich einloggt, bekommt man kleine Belohnungen, die einen anlocken. Ich hatte die Push-Nachrichten an. Meistens kommt da nur die Info, dass die Quests wieder aufgefüllt sind, nicht, dass man sofort spielen muss.

Altersangaben und Spiele kennen

Katrin: Jona hat einen kleinen Bruder in der zweiten Klasse, der sich Roblox angeschaut hat. Man kann da nur zwischen ‚unter 13‘ und ‚über 13‘ wählen – das ist schon eine ziemlich grobe Einteilung.

Michael Gurt: Eltern sollten wissen, was für ein Spiel ihre Kinder spielen und wie es funktioniert. Das Spiel “Roblox” wurde Anfang des Jahres beispielsweise von der USK von 12 auf 16 hochgestuft, weil die Inhalte von den Nutzer*innen selbst erstellt werden und der Jugendschutz daher nicht zuverlässig ist. Aus medienpädagogischer Sicht sollten jüngere Kinder besser noch nicht damit spielen. Wenn man unsicher ist, kann man sich bei der USK oder beim Spiele-Ratgeber NRW informieren. Dort gibt es pädagogische Beurteilungen zu vielen Spielen.

Spielzeiten sinnvoll und flexibel regeln

Jona: Unter der Woche dürfen wir uns einen Tag aussuchen, an dem wir eine halbe Stunde spielen. Am Wochenende dürfen wir jeden Tag eine Stunde.

Michael Gurt: Das finde ich sinnvoll. Ich empfehle Eltern oft, Spielzeiten für unter der Woche und fürs Wochenende unterschiedlich zu regeln. Ein starres tägliches Kontingent führt schnell dazu, dass Gaming zur festen Routine wird und Kinder gar nicht mehr ohne wollen. Ab etwa acht Jahren können sie gut mit Wochenbudgets oder Zeitgutscheinen umgehen. Wichtig ist, dass die Spielzeiten ins Familienleben passen und andere Interessen und Beschäftigungen nicht zu kurz kommen. Je älter die Kinder werden, desto mehr sollten sie diese Balance selbst beurteilen können. Gibt es bei euch deswegen manchmal Streit, oder klappt das immer gut?

Jona: Bei mir ist es so, dass ich ausmache, wenn meine Mutter es sagt. Wenn ich gerade in einer Runde bin, sage ich, dass ich die Runde noch zu Ende spiele, und danach mache ich aus. Mein kleiner Bruder möchte aber manchmal einfach länger spielen.

Katrin: Die tägliche halbe Stunde hat bei Jonas jüngerem Bruder tatsächlich nicht gut funktioniert. Feste Zeiten am Wochenende sind viel besser für ihn. Er ist aber auch ein anderer Typ als Jona: Für ihn geht es viel mehr um die Challenge und ums Gewinnen. Wenn er nicht gewinnt, ist es schwer für ihn.

Ingame-Käufe überlegt angehen

Jona: Ich finde, Brawl Stars kann man eigentlich gut ohne Geld spielen. Geld braucht man nur, wenn man schneller Items haben will. Bei Roblox hingegen locken sie einen voll drauf, Geld auszugeben.

Michael Gurt:
Ein entscheidender Faktor ist, dass man in seinem eigenen Tempo und Rhythmus spielt, ohne dass Stress entsteht oder das Gefühl, schneller vorankommen zu müssen. Bei Brawl Stars funktioniert das gut, wenn man alles selbst erspielt. Bei anderen Spielen kann das schwieriger sein. Man muss verstehen, welche Mechaniken es gibt, aber auch, dass Spielen ohne Geld gut möglich ist.

Frühkindliche Nutzung gut begleiten

Jona: Ich glaube, ich habe so mit drei oder vier Jahren angefangen.

Katrin: Jona hatte schon sehr früh eine Affinität zu elektronischen Geräten. Deshalb haben wir ihm auf dem iPad die Sago-Mini-Spiele gegeben.

Michael Gurt: Ab etwa drei Jahren kann die Mediennutzung schon starten, aber unbedingt gemeinsam begleitet. Gerade für sehr junge Kinder ist es schwierig, gute Apps zu finden. Es gab ein tolles Projekt vom Deutschen Jugendinstitut, eine Kinder-App-Datenbank, die aber leider nicht mehr aktualisiert wird. In den Stores findet man oft Spiele, die pädagogisch nicht sinnvoll sind.

Gemeinsam spielen!

Michael Gurt: Wichtig ist, den Spielspaß nicht zu verderben und wirklich zuzuhören, was das Spiel ausmacht und warum es fasziniert. Gemeinsam zu spielen, kann sehr bereichernd sein: Man hat nicht nur Spaß, sondern lernt die Kinder auch noch einmal auf eine andere Weise kennen.

Katrin: Unser Ansatz war immer, die Kinder an digitale Medien heranzuführen, statt Bildschirme zu verstecken. Wir stehen in ständigem Austausch.

*Michael Gurt ist Medienpädagoge am JFF und entwickelt Methoden, um Gaming in Familien konstruktiv zu thematisieren. Er unterstützt Fachkräfte in der Beratung und arbeitet aktuell an einem digitalen Tool, das Jugendliche und Eltern spielerisch ins Gespräch bringt.

Weitere Hilfreiche Links:

Hier findet ihr alle Game Life Clips für Eltern: https://games.jff.de/game-life-elternclips-rund-ums-computerspielen/

Hier könnt ihr alle Game Life Infohefte kostenfrei in deutscher, englischer und türkischer Sprache herunterladen oder  auch in größeren Auflagen bestellen: https://games.jff.de/gamelife/

Mehr Informationen über A-Game, dem medienerzieherischen Werkzeugkasten zu digitalen Spielen: https://www.jff.de/schwerpunkte/kinder-und-jugendmedienschutz/details/a-game

Welche Erfahrungen machen junge Menschen mit Beeinträchtigungen in digitalen Spielewelten? Damit beschäftigte sich das Forschungsprojekt In-Game:
https://www.jff.de/schwerpunkte/inklusion-vielfalt/details/ingame-medienbildung-inklusiv-mit-digitalen-spielen


Dieser Artikel erschien in gekürzter Form in der Ausgabe 12/2025 der Donauwelle. Dieses Projekt wird gefördert durch die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Städtebauförderprogramms Sozialer Zusammenhalt – Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten.

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