Alle Artikel mit dem Schlagwort: Donaukiez

„Alles, was es in der Welt da draußen auch gibt“

Nach Angaben der Polizei ist die Zahl von Gewalttaten an Schulen in Berlin gestiegen. Wir stellen drei Projekte im Donaukiez vor, die auf Prävention setzen. Sie zeigen, wie wichtig es ist, über Emotionen zu sprechen und Schüler*innen mitreden zu lassen.  Konfliktlots*innen an der Rixdorfer Grundschule Seit 2009 arbeitet die Kiezschule in der Donaustraße mit dem Konzept der Konfliktlots*innen. Sechzehn geschulte Sechstklässler*innen helfen ihren Mitschüler*innen, gewaltfreie Lösungen zu finden. Die Konflikte reichen von Beleidigungen bis hin zu Spielstreitigkeiten. “Alles, was es in der Welt da draußen auch gibt”, so Anne-Katrin Marzillier von der Schulsozialarbeit. Ausgestattet mit Westen bieten die Konfliktlots*innen in den Pausen auf dem Schulhof Unterstützung an. Die eigentliche Konfliktklärung erfolgt dann in den Räumen der Schulsozialarbeit, begleitet von den Konfliktlots*innen. Dazu werden sie in einem einwöchigen Programm ausgebildet. Weitere Infos gibt es auf der Website der Schule: https://rixdorfer.schule.de/2018/05/22/konfliktlotsenausbildung-an-der-rixdorfer-schule/  Wie die fünf Phasen der Mediation aussehen, zeigen diese von den Konfliktlots*innen gestalteten Poster: proRespekt-Coaches an der Theodor-Storm-Schule An der Grundschule in der Hobrechtstraße wird seit zwei Jahren mit dem Berliner Landesprogramm „proRespekt – gewaltfreie Schulen …

„Schule muss anders“ – für alle Kinder

Philipp Dehne hat als Lehrer in Kreuzberg und Neukölln gearbeitet und 2021 die Bildungsinitiative “Schule muss anders” mitbegründet. Im Interview spricht er über die Bildungskrise, Chancen und Herausforderungen in Neukölln und darüber, wie du aktiv werden kannst.  Interview von Wiebke Heiber Warum muss Schule anders? Das ist eine geteilte Erfahrung von allen Leuten, die im Schulkontext sind: von Schüler*innen, Schulbeschäftigten und Eltern. Es gibt so viel Druck und Stress. Viele können nicht so arbeiten, wie sie es eigentlich wollen, das heißt mit Zeit auf alle Schüler*innen eingehen. Für die individuelle Förderung braucht es Rahmenbedingungen und natürlich eine pädagogische Haltung. Diese Rahmenbedingungen führen oft dazu, dass Kinder hinten runterfallen und nicht die Lebenswege wählen können, die sie gerne wählen würden.  Was soll genau anders? Es braucht einfach mehr Zeit für die Arbeit in der Schule, für die Beziehungsarbeit mit den Schüler*innen, aber auch für die Teamarbeit im Kollegium. Dafür braucht es mehr Personal an den Schulen und eine verlässliche finanzielle Ausstattung. Außerdem fordern wir eine Anlauf- oder Beschwerdestelle für den Bereich Inklusion und Antidiskriminierung. Wenn es …

“Eigentlich möchte ich lieber schreien…”

Frau Holm (Name von der Redaktion geändert), Lehrerin an einer Gemeinschaftsschule, gibt uns Einblick in einen ganz normalen Tagesablauf. Es ist 7:30 Uhr. Ich sehe das Bild eines toten Kindes in Gaza. Es ist ein Versuch, dem Arbeitsweg in der U8 zu entfliehen. Es führt dazu, dass ich direkt in Gedanken beim System Schule und den Schüler*innen ankomme. Schaffe ich Gehör für Meinungen, für Sorgen und für Unrecht? Darf ich als Lehrerin politisch sein? Muss ich es sein? Ich komme zu spät. Das passiert mir manchmal. Hanife: „Frau Holm, Sie sind zu spät! Ich rufe Ihre Eltern an!“ Ich: „Wenn Du möchtest, kannst du mir auch einen Eintrag in mein Notizbuch schreiben. Ich habe ADHS und manchmal fällt es mir schwer, mich zu organisieren.“ Sude ruft aus der letzten Reihe: „ICH habe ADHS? FRAU HOLM!!! Habe ich nicht! Das ist gemein. Ich habe das gehört.“ Ich: „Nein Sude, ich meinte nicht dich. Ich meine mich.“ Sude: „Achso. Sie haben das? Wirklich? Ich glaube Emir hat das auch.“ Emir: „Habe ich nicht! Halt die Fresse!“ Der …

Gleiche Chancen für alle? Fehlanzeige! 

In kaum einem anderen Industrieland sind die Bildungschancen so eng mit dem Familienhintergrund verknüpft wie in Deutschland. Das heißt: Die Schule schafft es nicht, unterschiedliche Voraussetzungen auszugleichen. Recherchiert und zusammengefasst von Claire Horst, Illustriert von Irit Mogilevsky Auf diesen Quellen beruhen unsere Infografiken Quellen: 1+2+3+5: Wößmann, Ludger: Der ifo-„Ein Herz für Kinder“- Chancenmonitor, ifo Institut, München, 2023 https://www.ifo.de/publikationen/2023/aufsatz-zeitschrift/der-ifo-ein-herz-fuer-kinder-chancenmonitor) 4: Statistisches Bundesamt (Destatis), Juli 2023. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/07/PD23_N045_63.html 6: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), März 2023. https://www.bib.bund.de/DE/Presse/Mitteilungen/2023/2023-03-10-Kinder-aus-benachteiligten-Familien-bekommen-seltener-KiTa-Platz.html) 7: Integriertes Handlungs- und Entwicklungskonzept (IHEK), 2022  https://www.donaustrasse-nord.de/fileadmin/user_upload/2022/QM_Donau_IHEK_2022_01_10_2022_end.pdf8: Vief, Robert: Die Stadt wird durchmischter, die Schulen polarisierter, Tagesspiegel am 7. Januar 2023 https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/die-stadt-wird-durchmischter-die-schulen-polarisierter/

Stimmen aus dem Donaukiez

Wir haben Menschen auf der Kiezrallye gefragt: Was würdest du an unseren Schulen verändern, und wie sieht dein idealer Stundenplan aus?  Mich stört an der Schule, dass wir Unterricht haben!” Grundschüler, 8 Jahre Ich würde gerne mitbestimmen, welche Lehrer*innen an der Schule unterrichten! Mädchen, 11 Jahre “Gemeinsamen Religionsunterricht. Also es gibt ja Ethik, aber vielleicht was Allgemeineres, wo alle Religionen vorgestellt werden und aus den eigenen Biografien berichtet wird.” [Frau, Mitte Zwanzig Wenn es nach mir gehen würde, würde ich meine Kinder nicht in dieses Schulsystem schicken. Die hocken da 8 Stunden am Tag. Mein Sohn muss um 8 Uhr in der Schule sein und kommt dann wie ein Halbtoter nach Hause. Vater, ca. 35 Jahre Mir gefällt nicht, dass die Schule so früh anfängt. Mädchen, ca. 9 Jahre Mehr Musik! Und so praktische Sachen. Man lernt so viel Theoretisches. Und wenn man rauskommt, weiß man immer noch nicht, wie man seine Steuern macht. junger Vater Wir könnten kochen lernen und dann unser Essen in der Mensa selber zubereiten! Schülerin, 13 Jahre Tochter: “Also auf …

Mobilität im Kiez – und ihre Folgen

Wie sind Menschen auf der Donaustraße unterwegs? Wie viel Raum nehmen Autos und Fahrräder hier ein? Und was bedeutet das für alle anderen? Die Kiezredaktion hat Daten gesammelt. Recherchiert und zusammengefasst von Eric Friedewald, Benedikt Stipp, Nele Belau, Simon Walker Zur arabischsprachigen Version. Zur türkischsprachigen Version. Um diese Fragen zu beantworten, haben wir uns ein Verkehrsmessgerät des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ausgeliehen. Damit haben wir zwei Monate lang den Verkehr auf dem verkehrsberuhigten Abschnitt vor der Rixdorfer Grundschule gemessen. Es stellt sich heraus:Das Fahrrad ist das am häufigsten genutzte Fortbewegungsmittel auf der Donaustraße. Es sind 1,5 Mal so viele Fahrräder wie Autos unterwegs. Und das, obwohl es keinen Fahrradweg gibt! Erleichtert wird das Fahrradfahren durch die Asphaltierung vor wenigen Jahren – bis dahin lag hier Kopfsteinpflaster. Ein Haken an der Messung: Das Gerät misst nur bei Tageslicht. Beim Verkehr im Dunkeln tappen auch wir im Dunkeln. Außerdem erfasst es nur eine Straßenhälfte und somit nur die Hälfte der Fußgänger*innen. Was sonst noch gemessen wurde und wie die Daten aufbereitet aussehen, könnt ihr euch hier anschauen: …