Alle Artikel mit dem Schlagwort: Donauwelle

“Kumar bağımlılığı, ilacı olmayan bir hastalık. Ama dermanı var”

Almanya’da 1,3 milyondan fazla insan* kumar bağımlısı. Ancak psikolog ve sosyolog Kazım Erdoğan, bu sayının çok daha fazla olduğu görüşünde. Bu yüzden kurucusu olduğu Aufbruch Neukölln derneğinde kumar bağımlısı erkekler için bir yardımlaşma grubu başlatmış. Açık bir dil ve aynı göz hizasında iletişim kurmak en güzel terapi yöntemi diyen Erdoğan’ın kapısı herkese açık. Zeynep Dişbudak Zeynep Dişbudak: Kumar bağımlılığına karşı bir yardımlaşma grubu kurma fikri nasıl doğdu? Kazım Erdoğan: 80’li yıllarda okullarda öğretmen ve sonrasında psikolog olarak çalışıyordum. Bayan velilerin birçoğundan, eşlerinin kumar alışkanlıklarından şikayetlerini duyuyordum. Ayrılma ve boşanmaların ardında kumar, alkol ve uyuşturucu bağımlılığı önemli rol oynuyordu. Evin tüm gelirlerini, hatta ailenin altınlarını götürüp ‘leihhaus’lara bırakanları, gırtlağa kadar borç batağında olanları tanıyorum. Bunun büyük bir kanayan yara olduğunu tespit ettim. 2007 yılında önce Türkiyeli babalar grubunu kurdum. O grubun içinde birkaç arkadaşın da oyun bağımlısı olduğunu duyduktan sonra dedim ki, kumar bağımlılığına karşı öz yardım grubu kurmanın zamanı geldi hatta geçti. Kurduğumuz ilk grup 2011-2020 arasında AOK tarafından finanse edildi. AOK desteğini çekince maddiyatsızlıktan grubu kapatmak zorunda kaldık. Kumar problemi olanlar babalar grubuna gelmeye …

Da gibt’s noch Spielraum

Eine kleine Entdeckungstour durch die Spielräume im Kiez: dritte Orte, die Begegnung und Spiel ermöglichen, aber oft ums Überleben und ihre Daseinsberechtigung kämpfen. gesammelt von Stefanie Battisti und Marie Köhler Was sind dritte Orte? Neben Zuhause (erstem Ort) und Arbeit oder Schule (zweitem Ort) gibt es „dritte Orte“: offene Treffpunkte, an denen Menschen zusammenkommen, sich austauschen und Gemeinschaft erleben, meist, ohne etwas bezahlen zu müssen. Üçüncü Mekânlar ne demek?  Ev (birinci mekân) ve iş ya da okul (ikinci mekân) dışında “üçüncü mekânlar” vardır: insanların bir araya geldiği, iletişim kurduğu ve topluluk deneyimi yaşadığı açık buluşma noktalarıdır. Çoğunlukla herhangi bir ücret ödemeden kullanılabilirler. ما هي الأماكن الثالثة؟ إلى جانب المنزل (المكان الأول) والعمل أو الدراسة (المكان الثاني)، هناك „أماكن ثالثة“: أماكن لقاء مفتوحة يجتمع فيها الناس، ويتبادلون الأفكار، ويتفاعلون مع المجتمع، عادةً دون الحاجة إلى دفع أي شيء. Für die Donaukids: Wir bringen Bewegung in den Hof! Im Donaukiez fehlt es an Freiflächen und Bewegungsorten. bwgt e.V. öffnet und betreut die Schulhöfe unserer Grundschulen im Kiez deshalb für Kinder aus dem Umfeld: „Spiel & Spaß im …

#winning

Beim Spielen geht es nicht ums Gewinnen. Das sollte auch die Botschaft unserer Ausgabe sein. Aber dass Gewinnen Spaß macht, zeigt die Glückssträhne unserer Kiezredaktion im letzten Halbjahr. In eigener Sache: von Stefanie Battisti Recherche lohnt sich… Schon bei der ersten Sitzung der Kiezredaktion stand fest: Die neue Ausgabe widmet sich dem Thema Spielen. Gleich im Anschluss stolperten wir über die Ausstellung Game, Gamble & Play im benachbarten “Hilbertraum”   in der Reuterstraße – perfekt für eine erste Recherche zum Thema! Knapp vor Ende der Finissage eingetroffen, fanden wir uns zwischen Bällebad, Bildern und allerlei Spielereien wieder. Und dann: die Tombola. Unsere Kollegin Yael wagte ihr Glück, obwohl sie selbst immer sagt: „Ich gewinne eh nie was.“ Die Siebdruck-Beutel, der Trostpreis, sahen immerhin gut aus. Die Ziehung begann, Nummer für Nummer, Gewinner*in um Gewinner*in… Yael hatte sich schon resigniert ins Bällebad zurückgezogen. Und dann geschah es: Nummer 77! Unsere Kiezredakteurin erhielt den Hauptpreis: ein Bild des Berliner Künstlers Philip Grözinger. #winning …und Engagement auch! Auch die restliche Kiezredaktion ging im letzten Halbjahr nicht leer aus: …

Life of Game

Gedanken darüber, warum unser Leben mehr Game ist, als wir zugeben und wie die Videospiel-Industrie unsere Welt formt und dabei abkassiert. von Oğuzhan Danışmanoğlu Ihr lest in diesem unbedeutenden Kiezmagazin, und doch geht es um eine der mächtigsten Realitäten unserer Gesellschaft: das Spiel. Vom Kindergarten über die Schule bis ins Studium lernen wir Mechanismen wie Level, Punkte, Sterne, Belohnungen und Prüfungen kennen. Fast alles funktioniert wie ein Game, und viele Menschen merken gar nicht, wie selbstverständlich sie nach diesen Regeln leben. Schon kleine Alltagsentscheidungen werden oft wie Herausforderungen in einem Spiel wahrgenommen. Wer es clever spielt, sammelt Punkte für Karriere, soziales Ansehen oder persönliche Erfolge. Jenseits des Alltags existiert die eigentliche Welt der Spiele: die Spielindustrie. Seht unten im Grafik selbst den Vergleich mit den größten Umsätzen weltweit: Mit rund 523 Mrd. US-Dollar Umsatz im Jahr 2025 ist die Videospielindustrie größer als die Film- und die Musikindustrie zusammen. Neue Technologien, Streaming und Mikrotransaktionen treiben das Wachstum rasant voran, und fast täglich erscheinen neue Spiele, die Millionen Menschen weltweit erreichen. Wer denkt, Spiele seien nur ein …

Spielend lernen: Food for thought

Die Kids-Redakteurinnen Eleni und May interviewen Serenad Yilmaz von „Food for Thought“ über Lernspiele: Wie man digitale Abenteuer erschafft, wie man Spieleentwicklerin wird und welche Tiere vorkommen.  von Eleni (9) und May (10 Jahre alt) May: Wie programmierst du Spiele?Serenad: Wir arbeiten im Team: Eine Person denkt sich die Regeln und den Ablauf aus, eine illustriert die Charaktere und Hintergründe, andere schreiben die Geschichte, und eine programmiert dann alles. Man kann auch alleine Spiele machen, aber es ist echt viel Arbeit. Eleni: Mit wie vielen Jahren hast du zum ersten Mal ein Computerspiel gespielt? Mein allererstes Spiel habe ich mit 10 oder 11 gespielt, auf dem Commodore 64. Eleni: Hast du da Pacman gespielt?Ja, und auch ein Fußballspiel. Wahrscheinlich war das “International Soccer”, eins der ersten Fußballspiele für den PC. Mit dem Programmieren habe ich vor über 20 Jahren angefangen. Damals habe ich Minispiele mit Flash gebaut.   May: Wie lange brauchst du, um ein Spiel zu machen?Das kommt aufs Spiel an. Theoretisch könnte man eins an einem Wochenende machen. Für „Laika“ und unsere anderen Spiele haben …

Übers Zocken – von Kid für Kids

Unser Kidsredakteur Jona (12) zeigt uns, welche Games wirklich Spaß machen und welche Begriffe man kennen muss, um Gamerkids besser zu verstehen. von Jona Friedmann Sago mini (ab 4)Sago mini ist eine Reihe von Tier-Charakter-Spielen, die alle sehr bunt und kreativ sind. Ich würde sie sehr empfehlen, weil sie Spaß machen und die Kinder sogar was lernen können. Fiete (je nach Spiel ab 4 oder älter)“Fiete” sind auch verschiedene Spiele, die schön gezeichnet und animiert sind. Zum Beispiel  mit Matheaufgaben oder Fußball und Bauernhof-Puzzles oder Versteckspielen. Brawl Stars (ab 8)Brawl Stars empfehle ich persönlich erst ab 8, weil es mit seinem „Glückssystem“ süchtig machen kann: Man muss täglich spielen und Aufgaben erfüllen, um Belohnungen zu bekommen, Boxen oder „Stardrops“ mit z.B. “Gems” (Ingame-Währung), neuen Brawlern* und Skins für sie.*USK: ab 12 Jahren Minecraft (ab 9 oder 10)Kommen wir zu meinem Lieblingsspiel Minecraft: Die perfekte Abenteuerwelt, in der man super viel selber machen kann. Von unterschiedlichen eigenen Bauprojekten bis hin zu Überleben-Challenges mit coolen Biomen* und Tieren. Es gibt In-App-Käufe mit “Minecoins” für Add-ons, Werkzeuge oder …

Die Kneipe im Lauf der Zeit

Die Kneipen im Donaukiez waren immer mehr als nur ein Tresen: Sie sind Wohnzimmer, Bühne, Zuflucht. Eine Kneipentour durch die Jahrhunderte. von Eric Friedewald Als der Donaukiez noch aus Wiesen und Feldern bestand, eröffnete 1737 an der heutigen Karl-Marx-Straße 2 das Wirtshaus Rollkrug, ein früher Pionier des späteren Siegeszuges der Kneipen: 1905 gab es in Berlin eine „Schenke“ pro 157 Personen. Den Spielraum in den Kneipen brauchte es vor allem aufgrund der beengten Wohnverhältnisse. Wer kein Wohnzimmer hatte, musste sich andere Orte suchen. „In Rixdorf ist Musike“ hieß es damals und das war definitiv der Fall: Das Nachtleben der damaligen Stadt hatte sich im ganzen Kaiserreich einen berüchtigten Ruf gemacht. Zu viel für den bürgerlichen Magistrat, der mit rasanter Stadtentwicklung und einem neuen Namen das Image Rixdorfs retten wollte: Neukölln war geboren. Der alte Rollkrug musste 1907 der wachsenden Stadt weichen. Nach einer Hochzeit des Nachtlebens in den 1920er-Jahren verengte sich der Spielraum unter dem nationalsozialistischen Terror dann zusehends. So hatte die SA in der Weichselstraße 8 eine Kneipe, in der politische Gegner schwer misshandelt …

Donaukiez GO! Oyun talimatları Türkçe

🌀 Oyun Akışı ⏰BaşlangıçTüm oyuncular kendi evlerinde başlar: Burası nötr bir alandır, yani şans veya talihsizlik alanı olamaz.🎓 İlk Hedef: OkulÜç mahalle okulundan birine ulaşana kadar zar atarak ilerle. Okula vardığında bir 🎒 Okul Görevi alırsın. Görev numarasını belirlemek için (1–12 arası) zar at. Bir oyuncu görevi yüksek sesle okur. Görevi başarırsan bir sonraki tur devam edersin. Başaramazsan, bir sonraki turda yeni bir görev denersin.🧭 Okul bitti! Peki nereye?Okuldan sonra ziyaret etmek istediğin en az iki mahalle mekânı seç.Bu mekânlar haritanın farklı yerlerine dağılmış olmalı ve yan yana olmamalı. Seçtiğin bir mekâna vardığında onunla ilgili bir hikâye anlat.🗨️ Mahalle Dedikodusuİki oyuncu aynı kareye gelirse küçük bir sohbet yapılır: Birbirinize tanışma sorusu sorun. Birbiriniz hakkında bir şey öğrendiyseniz, ikiniz de 1 kare ilerleyin!🚍 BVG BonusuBir metro veya otobüs durağı karesine gelirsen, bir sonraki durağa geçebilirsin.🏡 Eve Gitme ZamanıSeçtiğin tüm mekânları ziyaret ettiğinde tekrar evine dönmelisin.🏆 7. Ve kazanan: evine ilk dönen!Tüm mekânları ziyaret edip önce evine dönen oyuncu oyunu kazanır! 🎉 🎒 OKUL GÖREVLERİ  🎲 Görev numarasını 1 veya 2 zar ile belirle. Bir oyuncu yüksek …

Donaukiez GO! English Version

🌀 How to Play ⏰ Let’s BeginAll players start at their home base. This is a neutral space – it can’t be a lucky or unlucky field.🎓 First Mission: SchoolKeep rolling until you reach one of the three neighborhood schools. There, you receive a 🎒School Task. Roll to determine the task number (1–12). Another player reads the task aloud: If you manage to complete it, you can move on next turn. If not, you try a new one in the following round.🧭 School’s out! Where to next?Choose at least two places in the neighborhood you want to visit after school. They should be spread across the map and not located directly next to each other. Whenever you land on one of your chosen spots, tell a story about it.🗨️ Neighborhood Chit-ChatIf two players land on the same field, they have to make small talk: Ask each other a get-to-know-you question. Did you both learn something about one another? Then both move forward 1 space!🚍 BVG BonusIf you land on a subway or bus stop, you …

More Than Just a Pub: Save Das Gift!

A neighbourhood bar that grew into a creative refuge now faces an uncertain future — and its community is rallying to protect the space that has shaped friendships, art, and belonging for fifteen years. An interview with Lawrence Snelgrove and Raphael Korn of Das Gift Can you share the story of Das Gift – how it started? And what are your roles there? Raphael: Das Gift was started in 2010, when Rachel Burns, wife of Barry Burns from the Scottish band Mogwai, took over this little Eckkneipe and reinvented it. The two of them  brought in more music events, turned it into a hangout for expats, and started an English-speaking pub quiz that runs every Monday to this day. My own role now is a mix of ownership and stewardship. Together with Lawrence, it’s also about trying to protect a space that clearly means a lot to people. Lawrence: I took over managing Das Gift at the beginning of September. I moved to Berlin four months ago and when I stumbled across Das Gift, I …

„Es gibt kein Heilmittel, aber es gibt eine Lösung”

In Deutschland sind mehr als 1,3 Millionen Menschen glücksspielsüchtig*. Darunter auch viele Menschen aus der Türkei. Kazım Erdoğan vom Verein Aufbruch Neukölln hat eine türkischsprachige Selbsthilfegruppe für glücksspielsüchtige Männer ins Leben gerufen. Von Zeynep Dişbudak Warum richtet sich die Selbsthilfegruppe nur an Türkischsprechende?Die meisten Teilnehmer sind Männer, die aus der Türkei nach Deutschland gezogen sind und noch nicht gut Deutsch sprechen. In deutschsprachigen Gruppen verstehen sie den Inhalt nicht. Nach einer Weile verlieren sie das Interesse und kommen nicht mehr. Deshalb bieten wir diese Hilfe gezielt für türkischsprachige Betroffene an. Was sind Ihrer Meinung nach die größten Ursachen, dass Menschen spielen?Geldgier, Armut, Verzweiflung… Sie suchen die „Lichtblicke“ – Musik, Automaten, die Unterhaltung –, um die unglücklichen Seiten ihres Lebens zu vergessen. Wer ist besonders anfällig für diese Sucht?Zum Beispiel sogenannte ‘ithal damatlar’ – Männer, die über die Ehe aus der Türkei nach Deutschland gekommen sind. In den ersten Jahren arbeiten sie oft nicht und leben isoliert. Sie gehen ins Kaffeehaus und fangen zu spielen an. Oder diejenigen, die sich zu Hause langweilen, sich vom Partner …

Spielspaß ohne Stress

Worauf sollten Familien beim Gaming achten? Unser Kidsredakteur Jona und seine Mama haben mit Medienpädagoge Michael Gurt vom JFF* gesprochen. Hier sind Tipps, wie Familien Kinder beim Spielen unterstützen können. Ein Gespräch von Jona und Katrin Friedmann mit Michael Gurt  Spielmechanismen verstehen Katrin: Mein Mann und ich arbeiten beide im digitalen Bereich und haben schon früh mit unseren Kindern über Medien gesprochen. Auch wenn es nicht immer einfach ist, haben wir eine gute Gesprächsgrundlage und reagieren flexibel auf die Bedürfnisse unserer Kinder.Michael Gurt: Viele Games arbeiten mit Belohnungssystemen und sogenannten Dark Patterns – manipulativen Mustern, die eine Sogwirkung erzeugen. Das ist kein Zufall. Das müssen Eltern verstehen: Wenn Kinder Schwierigkeiten haben, ein gutes Maß zu finden, liegt das nicht daran, dass sie nicht verantwortungsvoll genug sind. Die Mechanik dahinter ist einfach sehr stark. Dazu gehören auch Push-Nachrichten oder “Streaks” – Belohnungen, die Nutzer*innen täglich ins Spiel zurückziehen. Mein erster Rat ist immer: Schaltet diese Benachrichtigungen aus. Sie bauen unnötigen Druck auf. Jona: Bei Brawl Stars gibt es jetzt Streaks wie bei Duolingo. Wenn man sich …

Stimmen aus dem Donaukiez

Auf der Spielstraße haben wir Nachbar*innen gefragt, was Spielen für sie bedeutet, was sie gerne spielen, und wie es um die Spielorte im Kiez steht. gesammelt von Yael Parish und Stefanie Battisti Unsere Straßen sind schon etwas kinder- und älterenfeindlich. Es gibt genug Plätze, die freistehen. Ein Jugendbauspielplatz zum Beispiel wäre toll, wo sich auch Jugendliche treffen können. Ali In unserem Kiez gibt es leider wenige Spielplätze. Wir haben bei uns einen großen Innenhof mit Sandflächen. Da würde ich gerne was machen, das sollte man ausnutzen. Früher haben wir immer draußen gespielt, jetzt spielen die Kinder fast immer drinnen.  Fatme Ich finde es so wichtig, dass man immer noch miteinander und live spielt. Auf der Spielstraße zum Beispiel können wir alle gemeinsam spielen, auch Erwachsene. So treffen sich Leute, die sich vorher gar nicht kannten.  Julie Wir spielen natürlich, weil’s Spaß macht. Ich glaube, Erwachsene spielen, um wieder Kind zu werden. Ich mache gerne Sport und spiele ein bisschen Computerspiele. Auf den Spielplätzen spiele ich auch mal selber mit. Ansonsten schaue ich, dass die Kids …

Auf die Plätze, fertig, spielt!

Die Spiele-Edition ist da! „Die ganze Welt ist Bühne / Und alle Fraun und Männer bloße Spieler“, heißt es in der Komödie Wie es euch gefällt von William Shakespeare. Auch wir finden: Wir spielen unser Leben lang, als Kinder und auch als Erwachsene. In dieser Ausgabe erfahrt ihr, wo und was im Donaukiez gespielt wird. Welche Räume nutzen die Anwohner*innen zum Spielen? Was haben Neuköllner Kids früher gespielt, und welche (Video-)Spiele begeistern sie heute? Wir haben mit einem Medienpädagogen, einer Spieledesignerin und dem Leiter einer Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige gesprochen. Außerdem verraten wir euch, bei welchen Spielen wir gewonnen haben und was für euch dabei herausspringt. Ein kleines Extra erwartet euch.Let’s play! “All the world’s a stage, and all the men and women merely players,” says William Shakespeare in As You Like It. We agree: we play throughout our lives, as children and as adults. In this issue, you’ll discover where and what people play in Donaukiez. Which spaces do locals use for play? What games did Neukölln kids play in the past, and which (video) …

Unsere Schule, unsere Sprachen

Die Rixdorfer Grundschule hat ihre Schüler*innen gefragt, welche Sprachen sie – und ihre Familien – sprechen. Herausgekommen ist ein beeindruckendes Mosaik der Mehrsprachigkeit im Donaukiez. Gesammelt von Marie de Vazelhes, Text von Stefanie Battisti An der Rixdorfer Grundschule hat der Elternförderverein kürzlich eine Umfrage zur Mehrsprachigkeit in allen Klassen initiiert. Gefragt wurde nach den Sprachen der Kinder, ihrer Eltern und Großeltern. Die Motivation: Eine Übersicht darüber zu bekommen, welche Sprachen an der Schule vertreten sind und ein positives Bewusstsein für die kulturelle Vielfalt zu schaffen. Insgesamt beteiligten sich 90 Prozent der gesamten Schülerschaft*. Die Ergebnisse zeigen, wie bunt und vielsprachig der Donaukiez ist: Insgesamt wurden 29 verschiedene Sprachen genannt! 323 von insgesamt 364 Schüler*innen nahmen an der Umfrage teil. Die Angaben basieren auf Selbsteinschätzungen der Kinder. Dialekte und Erst-/Zweitsprache wurden daher oft uneinheitlich angegeben. Alle 29 Sprachen an der Rixdorfer Grundschule laut Angaben der Schüler*innen: Deutsch 97  (Selbsteinschätzung) / davon zumindest ein deutschsprachiger Elternteil: 49 Arabisch 91 (Syrisch, Palästinensisch, Jemenitisch, Marokkanisch, Tunesisch, Ägyptisch, Libanesisch) Türkisch 88  Albanisch 29 (Mazedonisch, Kosovarisch) Rumänisch oder Romani 23 Englisch …

Weniger Müll, mehr Miteinander

Wie aus einer Diskussion im Nachbarschafts-Chat eine Kiez-Initiative wurde – ein persönlicher Bericht und eine Einladung zum Mitmachen. von Jonathan Klein & Mounir Zahran Wir leben sehr gerne im Donaukiez. Für uns steht er für das Beste am Großstadtleben: Freiheit, Vielfalt, Lebendigkeit. Doch wir erleben auch Schattenseiten: soziale Spannungen, Gleichgültigkeit, Anonymität – besonders spürbar in der zunehmenden Vermüllung. Sie ist für uns sichtbarer Ausdruck dieser Probleme und verstärkt sie zugleich. In unserem Kiez-Telegram-Chat zeigte sich: Viele sind frustriert, aber auch bereit, etwas zu verändern. Einige meldeten Missstände per Ordnungsamt-App – nicht immer mit der erhofften Wirkung. Andere sprachen mit BSR-Teams, die selbst frustriert sind. Hinter vorgehaltener Hand erzählen sie, unser Kiez sei längst aufgegeben worden. Ein Leserbrief von einem aus unserer Runde brachte Bewegung: Der Tagesspiegel berichtete*, und daraufhin reinigte ein Sondertrupp endlich mal gründlich die Straßen, das erste Mal seit Monaten. Andere begannen, regelmäßige Clean-Ups auf der Sonnenallee zu organisieren. So entstand ein Schatz an Erfahrungen – aber die Aktionen blieben vereinzelt. Deshalb haben wir eine Kiez-Initiative gegründet: Wir wollen uns vernetzen, Wissen bündeln …

Zusammenhalten gegen den Kahlschlag

Berlin spart sich kaputt. Das trifft auch viele Projekte im Donaukiez. Das Q*ube in der Schönstedtstraße hat sich gewehrt, vorerst erfolgreich. Ein Gespräch mit den drei Mitarbeiter*innen Katharina , Leonie und Nancy.  von Claire Horst Was ist das Q*ube? Das Q*ube ist ein Jugendclub für queere* Jugendliche und ihre Freund*innen zwischen 12 und 27 Jahren. Hier gibt es offene Angebote wie Kochen, Sport, Reisen und z. B. trans*-Beratung und psychosoziale Beratung. Die meisten Jugendlichen kommen fast jeden Tag. Viele kommen eher aus prekären Verhältnissen. Sie beschreiben das Q*ube als ihr Wohnzimmer, und so fühlt es sich auch an: Sie kommen rein und schauen, was im Kühlschrank ist.  *queer: Selbstbezeichnung von Menschen, die z. B. lesbisch, schwul, bi oder trans* sind Machen sie den Kühlschrank auf, weil sie sich wie zu Hause fühlen, oder weil sie Hunger haben? Beides. In manchen Haushalten gibt es tatsächlich aufgrund von Armut nicht genug. Einige nehmen sich auch was mit, nicht nur Schokoriegel, sondern auch Gemüse oder Aufstriche. Was würde fehlen, wenn es euch nicht mehr geben würde? Das haben …

„Parole“ bieten im Donaukiez

1934 formierte sich rund um Hellmut Bock im Donaukiez eine sozialdemokratische Widerstandsgruppe. Mit ihrer Untergrundzeitung „Parole“ trotzte sie dem NS-Regime. von Eric Friedewald Sommer 1934. Die Nationalsozialisten sind seit über einem Jahr an der Macht. In einer Eckkneipe im Donaukiez entdeckst du auf der Toilette eine Zeitung – die “Parole”. Mit Neugier, aber auch Unbehagen blätterst du durch. Die Beiträge zeichnen ein ganz anderes Bild der politischen und gesellschaftlichen Lage, als du es an jeder Ecke von der NS-Propaganda hörst. Du willst sie weitergeben, doch wem kannst du trauen? Und was, wenn man dich erwischt? Die Widerstandsgruppe “Parole” brachte zwischen April und September 1934 mehrere Ausgaben der gleichnamigen Untergrundschrift heraus. Dafür fanden sich rund 100 Sozialdemokrat*innen rund um den Buchdrucker Hellmut Bock zusammen. Der 27-Jährige wohnte in der Fuldastraße 55, dort, wo sich noch heute die Idealpassage befindet. Geschrieben wurde die Zeitung in Zusammenarbeit mit den Kommunist*innen der KPD. Gedruckt wurde in der jetzigen Sonnenallee 122 und 34. Dort ist heute die Konditorei Damaskus, die in den letzten Jahren wiederholt zum Ziel rechtsextremer Angriffe wurde.  …

Wir machen Community!

Drei lokale Initiativen zeigen, wie Gemeinschaft im Donaukiez entsteht – durch Engagement für unsere Umwelt, Verkehrssicherheit und soziale Teilhabe. – von Benedikt Stipp und Stefanie Battisti Give Something Back to Berlin eröffnet einen neuen Begegnungsraum Seit über 10 Jahren schafft Give Something Back to Berlin (GSBTB) Begegnungsorte zwischen Migrant*innen, Geflüchteten und Locals. 2024 haben über 15.000 Teilnehmende und 2.000 Freiwillige mitgemacht. Am 10. Juli eröffnet der Verein einen neuen Raum in der Donaustraße – von der Community für die Community. Die Vision: ein Ort, an dem sich alle willkommen fühlen und mitgestalten können – unabhängig von Herkunft, Sprache oder Erfahrung. Hier finden in Zukunft kostenlose Angebote statt: Kochen, Yoga, Musik, Sprachangebote und mehr. Mitmachen ist einfach: vorbeikommen, da sein, sich einbringen! Am 10. Juli feiert der Raum seine Eröffnung! Give Something Back to Berlin, Donaustraße 15www.gsbtb.org Hind-Rajab-Platz Clean-Up Community  The initiative doesn’t like to wait for BSR and officials – they take the matter in their own hand: The garbage at their beloved Arabische Straße (Sonnenallee). Since the beginning of this year, they meet on a …

Gemeinschaftsinsel und “Lonely Ghosts” 

Auf der “Insel der Gemeinschaft” geht es nicht nur um Zusammenhalt. Verschiedene Perspektiven auf das Phänomen Einsamkeit in unserem Kiez.                                                       – zusammengetragen aus der Kiezredaktion, illustriert von Irit Mogilevsky Die Insel der Gemeinschaft von Irit Dies ist eine Karte einer imaginären Insel, auf der eine Gemeinschaft in Harmonie zusammenlebt. Sie feiern das Leben, stellen sich gemeinsam Herausforderungen und wachsen daran. Die Insel ist nicht isoliert/offen – Menschen verlassen sie, neue kommen dazu, auf der Suche nach einem besseren Leben. Ich wünschte, wir alle hätten eine solche Karte – für die Momente, in denen wir uns allein, verwirrt oder verängstigt fühlen. Denn gemeinsam sind wir stärker, klüger, kreativer. Als kleine Nachbarschaft können wir zwar keine globalen Krisen stoppen, aber wir können uns organisieren und dafür sorgen, dass niemand zurückgelassen wird.  Einsamkeit und mentale Gesundheit von Stefanie  Einsamkeit ist mehr als ein individuelles Gefühl – sie ist ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko. …

Whiteness und der unsichtbare Müll

Was für manche einfach nur Müll ist, erzählt für andere von Ungleichheit, Verdrängung, Protest – und einem Blick, der lieber wegschaut als hinhört. Beobachtungen eines Kiezdenkers. – Meinungskolumne von Oğuzhan Danışmanoğlu Müll im Kiez? Altbekanntes Thema… Aber hinter diesem Müllthema verbirgt sich eigentlich ein viel tieferes Phänomen – verschiedene Formen von Whiteness. „Whiteness“ meint, dass weiße, meist christliche Europäer – oft Männer – über viele Jahrhunderte in vielen Bereichen wie Politik, Wirtschaft oder Kultur den Ton angegeben haben. Aber ich spreche bewusst von „Whitenesses“ im Plural. Denn es geht nicht nur um Hautfarbe, sondern um eine Haltung, die sich durch verschiedene Menschengruppen zieht – ob europäisch oder orientalisch. Diese Haltung lautet: Müll soll produziert werden, aber gefälligst unsichtbar sein. Mich hat am meisten diese Schnittstelle zwischen Müll und Whiteness interessiert. Ich konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken. Woher kommt all der sogenannte Dreck – und warum wird er, durch einen White-Filter betrachtet, so eng und moralisch bewertet?Ich sag gleich vorweg: Das hier ist keine Botschaft für gut gemeinte Beiträge aus der Machtperspektive. Ja, es liegt viel …

Mit dem Wohlstand kam der Neid…

Von der Nachkriegszeit bis zur Pandemie: Hans Babkuhl (87) erinnert sich, wie der Zusammenhalt im Kiez immer dann stark war, wenn es darauf ankam. – Hans Babkuhl In schwierigen Zeiten halten die Menschen oft besser zusammen. Wenn es ihnen aber gut geht, scheint dieser Zusammenhalt schnell wieder zu bröckeln. Wenn ich an die Zeit während des Nationalsozialismus denke, fällt mir vor allem mein Vater ein. Er war überzeugter Sozialdemokrat und aktiver Gewerkschafter, außerdem Vorsitzender eines Sportvereins. Heute würde man sagen: Er war gut vernetzt. Die Arbeitersportbewegung wurde von den Nazis verboten, aber die alten Kumpel hielten trotzdem zusammen. Ich weiß, dass mein Vater mit anderen Menschen geholfen hat, die dem Regime nicht genehm waren – sie wurden über verschiedene Kanäle außer Landes gebracht. Ich erinnere mich an einen Nachbarn im Haus, der nicht in die „Ahnengalerie“ passte, wie man damals sagte – plötzlich war er weg. Kurz darauf stand in unserer Wohnung ein großes Radio, das ich als Kind immer bewundert hatte. Damit konnte man alle Sender empfangen, sogar Radio London, dessen Hören unter Todesstrafe …

Stimmen aus dem Donaukiez

Bei der Kiez-Rallye haben wir die Nachbarschaft gefragt, was Zusammenhalt für sie bedeutet – und wie sie das Miteinander im Donaukiez erleben. gesammelt von Yael Parish, Stefanie Battisti und Irit Mogilevsky Zusammenhalt bedeutet Zusammensein und nicht miteinander streiten.  – Riza und Samuel, Rixdorfer Grundschüler Pauline: Zusammenhalt ist, wenn nicht jeder sein eigenes Ding macht. So was wie die Kiez-Rallye ist schon Gemeinschaft.  Edith: Hier in Neukölln kennen sich sehr viele auf der Straße. Auch das ist Gemeinschaft! Hanna: Man sollte immer freundlich miteinander umgehen. Es macht den Tag einfach schöner, dass Leute einem Hallo sagen oder man beachtet wird.    Faro: Wenn jeder dem anderen hilft und Rücksicht aufeinander nimmt, dann hat man eine gute Zeit hier im Kiez. Raphaele: Wir haben zum Beispiel eine etwas ältere Nachbarin. Wenn die was braucht, dann meldet sie sich bei uns. Und umgekehrt kann ich sie im Notfall auch mal um Hilfe mit den Kindern bitten. Für mich bedeutet Zusammenhalt: Wenn jemand in Schwierigkeiten ist, ihm zu helfen – sei es mit Geld oder mit guten Worten. – …

Zusammenhalt!

Die erste Redaktionssitzung zu dieser Ausgabe fand kurz nach den Bundestagswahlen statt. Schnell fanden wir gemeinsame Anliegen: Krisen und Kriege, lokale und globale Katastrophen nehmen uns alle ganz schön mit. Wir fragten uns: Was kann uns stärken, wie behalten wir unsere Kraft? Die Antwort war bei uns allen die gleiche: Unsere Superpowers sind Solidarität und Gemeinschaft. In diesem Heft findet ihr aktuelle und historische Beispiele dafür, wie wir gemeinsam etwas bewegen können – auch dann, wenn die Meinungen so weit auseinandergehen wie beim Dauerbrenner Müll. „Do it yourself“ war gestern – jetzt heißt es: Do it together! Our first editorial meeting for this issue took place shortly after the elections. It didn’t take long for us to find common ground: crises and wars, local and global catastrophes – all of it is weighing heavily on us. We asked ourselves: what gives us strength? How do we keep going? For all of us, the answer was the same: our superpowers are solidarity and community. In this issue, you’ll find both current and historical examples of how …

Wie geht: Offenes Gestalten?

Die Donauwelle hat nicht so strenge Regeln für die Gestaltung wie eine Tageszeitung. Ein paar Dinge sind trotzdem immer gleich – und daran erkennt ihr die Donauwelle! — von Katrin Friedmann A. Format & RasterAuf dem linken Bild siehst du, wie jede Seite aufgebaut ist: Der Text hat immer zwei oder drei Spalten. Auch der Zeilenabstand ist immerder gleiche. B. Schriften & GrößenWir benutzen immer die gleiche Schrift: Sie heißt Philosopher. Wenn wir etwas hervorheben wollen, drucken wir es fett. Hinweise drucken wir kursiv. Und für Überschriften schreiben wir immer in Raleway Black und Lust italic. Die beiden letzten sind auch in unserem Logo. C. Farben & WeißraumWie in der Ausgabe vom Dezember 2022 entstehen die verwendeten Farben oft aus dem Bildmaterial: nie mehr als vier. Auch weiße Fläche ist wichtig! So kommen Texte und Bilder gut zur Geltung. [Bild] D. Das wiederkehrende ElementDu hast sie sicher schon gesehen: unsere Textzeile. Hier stehen die Seitenzahlen, das Logo, der Name der Ausgabe und der Name der Rubrik, z. B. „Interview“ oder, wie hier, „Graphic Design“. Wir …

Wie geht: Kiezgedächtnis?

Hans (87) und Reni Babkuhl (83) bringen mit ihren Erinnerungen und Geschichten wertvolles Wissen aus vergangenen Zeiten in jede Ausgabe. Ein Erfahrungsbericht und zwei Tipps für die junge Generation.  — von Hans und Reni Babkuhl Liebe Leser[*innen] der Kiezzeitung, hier melden sich Reni und Hans. Ihr werdet sicher denken, wer ist denn das, aber wenn wir sagen, dass wir das Kiezgedächtnis sind, solltet ihr wissen, wer wir sind. Wir würden es sehr bedauern, wenn es die Donauwelle bald nicht mehr geben sollte. Wir haben noch einiges zu berichten… Wir werden sehr oft auf der Straße gegrüßt, was sicher auf die Bilder und den Bericht über unsere 60 Jahre Ehe zurückzuführen ist [Anm. d. Redaktion: in der Ausgabe “My Generation”]. Wir sind ja zum Schreiben gekommen wie die Jungfrau zum Kind, aber es macht uns doch viel Spaß, über unsere Erlebnisse zu berichten. Ein paar Ratschläge haben wir auch für die jüngere Generation: Fragt die Alten und lasst euch erzählen, wie es früher mal war. Denn es ist so: Wenn die Alten mal verstorben sind, ist …

„Inhalt sehr gut, der Schrift wegen mangelhaft“

Unser Kiezgedächtnis, Hans und Reni Babkuhl, berichten für die Kiezzeitung Donauwelle aus ihrer Schulzeit. Ich (Hans) wurde 1942 eingeschult und das war zur Zeit des Krieges und der Bombenangriffe. Infolge der Bombardierungen wurden wir nach Ostpreußen aufs Land evakuiert, dort gingen wir zur Schule, aber das war ganz anders. In Berlin schrieben wir schon vom erster Tag mit Feder und Tinte. Die Hefte sahen ja auch danach aus. Wir lernten zuerst die Sütwerlein Schrift. Und auf dem Land in Ostpreußen die Lateinische Schrift so wie wir sie heute noch schreiben. Das Problem war nur, hier mußten wir auf Schiefertafeln schreiben und die Dorfjugend fing die Berliner ab und löschten mit dem Lappen die Hausaufgaben, und schon gab es wieder etwas auf den Hosenboden. Ich hatte immer eine dicke Zeitung in der Hose, damit war alles zu ertragen. „Inhalt sehr gut, der Schrift wegen aber mangelhaft.“ Dann wurde eines Tages das Dorf von Partisanen überfallen und es kam eine große SS-Aktion. Einige junge Männer wurden gefangen genommen und lebendig an den Füßen an einem Baum aufgehängt… …

Healing creative scars 

In school, we were often told we couldn’t draw or sing properly. In a workshop with Seseg Jigjitova, we learned to see that there is no right or wrong way to be creative. The comic snippets reflect episodes from the participants’ educational journeys and demonstrate how we can still heal our „creative scars.“ In this comic workshop with Seseg Jigjitova, we explored different aspects of creativity. In the first part, we stimulated our imagination with practical exercises. An introduction to the Growth Mindset Theory helped us to try out new things and learn from mistakes. Through practical exercises in self-ethnography we managed to see everyday life from a different perspective, to think anti-cyclically and to leave our comfort zone. In the second part, we then draw a comic episode from our own educational biography. Take a look at the marvelous results: Comic by Lina Tegtmeyer Join our Comic Meetup! Every second Saturday, we will meet to draw our personal projects, share our knowledge and skills, and inspire each other!  Follow Seseg Jigjitova on Instagram for more …

„Alles, was es in der Welt da draußen gibt“

Nach Angaben der Polizei ist die Zahl von Gewalttaten an Schulen in Berlin gestiegen. Wir stellen drei Projekte im Donaukiez vor, die auf Prävention setzen. Sie zeigen, wie wichtig es ist, über Emotionen zu sprechen und Schüler*innen mitreden zu lassen.  Interviews und Texte: Stefanie Battisti Konfliktlots*innen an der Rixdorfer Grundschule Seit 2009 arbeitet die Kiezschule in der Donaustraße mit dem Konzept der Konfliktlots*innen. Sechzehn geschulte Sechstklässler*innen helfen ihren Mitschüler*innen, gewaltfreie Lösungen zu finden. Die Konflikte reichen von Beleidigungen bis hin zu Spielstreitigkeiten. “Alles, was es in der Welt da draußen auch gibt”, so Anne-Katrin Marzillier von der Schulsozialarbeit. Ausgestattet mit Westen bieten die Konfliktlots*innen in den Pausen auf dem Schulhof Unterstützung an. Die eigentliche Konfliktklärung erfolgt dann in den Räumen der Schulsozialarbeit, begleitet von den Konfliktlots*innen. Dazu werden sie in einem einwöchigen Programm ausgebildet. Weitere Infos gibt es auf der Website der Schule: https://rixdorfer.schule.de/2018/05/22/konfliktlotsenausbildung-an-der-rixdorfer-schule/  Wie die fünf Phasen der Mediation aussehen, zeigen diese von den Konfliktlots*innen gestalteten Poster: proRespekt-Coaches an der Theodor-Storm-Schule An der Grundschule in der Hobrechtstraße wird seit zwei Jahren mit dem Berliner …

Gemischtes Generationen-Doppel

Unser Kiezgedächtnis Hans und Reni Babkuhl, Jahrgang 1936 und 1940, traf sich mit den Siebtklässlerinnen Ella und Trinity, um über ihre Vorstellungen von Schule damals und heute zu sprechen.  Interviews: Stefanie Battisti und Yael Parish Tafel vs. Whiteboard Trinity: “Wir stellen uns die Schule damals so vor, dass es Klassenräume mit grünen Tafeln gab und keine Whiteboards…” Reni: “Was ist denn das?” Ella: “Das sind Tafeln, auf die man mit Edding draufmalen kann…”  Trinity: “…und dazu gibt es einen Beamer.” Hans: “Was ist denn ein Beamer?” Ella: “Damit kann man was an die Wand beamen… Also früher gab es ja die kleinen Teile, wo man CDs reingelegt hat, und mit Licht was an die Wand gebeamt wurde…” Hans: “Achso, ein Projektor!”  WIFI vs. RIAS Reni: Wir hatten in mehreren Klassenzimmern Rundfunk. Wenn wir was Bestimmtes durchgenommen haben und es gab einen Schulfunk, dann wurde das eingeschaltet. Wir haben dann zugehört und hinterher einen Bericht darüber geschrieben. Der Schulfunk war von RIAS… Hans: Rundfunk im Amerikanischen Sektor! Foto: Übergabe der Radiogeräte für die Klassenräume (1950), @Museum …

„Schule muss anders“ – für alle Kinder

Philipp Dehne hat als Lehrer in Kreuzberg und Neukölln gearbeitet und 2021 die Bildungsinitiative “Schule muss anders” mitbegründet. Im Interview spricht er über die Bildungskrise, Chancen und Herausforderungen in Neukölln und darüber, wie du aktiv werden kannst.  Interview von Wiebke Heiber Warum muss Schule anders? Das ist eine geteilte Erfahrung von allen Leuten, die im Schulkontext sind: von Schüler*innen, Schulbeschäftigten und Eltern. Es gibt so viel Druck und Stress. Viele können nicht so arbeiten, wie sie es eigentlich wollen, das heißt mit Zeit auf alle Schüler*innen eingehen. Für die individuelle Förderung braucht es Rahmenbedingungen und natürlich eine pädagogische Haltung. Die jetzigen Rahmenbedingungen führen oft dazu, dass Kinder hinten runterfallen und nicht die Lebenswege wählen können, die sie gerne wählen würden.  Was soll genau anders? Es braucht einfach mehr Zeit für die Arbeit in der Schule, für die Beziehungsarbeit mit den Schüler*innen, aber auch für die Teamarbeit im Kollegium. Dafür braucht es mehr Personal an den Schulen und eine verlässliche finanzielle Ausstattung. Außerdem fordern wir eine Anlauf- oder Beschwerdestelle für den Bereich Inklusion und Antidiskriminierung. Wenn …

“Eigentlich möchte ich lieber schreien…”

Frau Holm (Name von der Redaktion geändert), Lehrerin an einer Gemeinschaftsschule, gibt uns Einblick in einen ganz normalen Tagesablauf. Es ist 7:30 Uhr. Ich sehe das Bild eines toten Kindes in Gaza. Es ist ein Versuch, dem Arbeitsweg in der U8 zu entfliehen. Es führt dazu, dass ich direkt in Gedanken beim System Schule und den Schüler*innen ankomme. Schaffe ich Gehör für Meinungen, für Sorgen und für Unrecht? Darf ich als Lehrerin politisch sein? Muss ich es sein? Ich komme zu spät. Das passiert mir manchmal. Hanife: „Frau Holm, Sie sind zu spät! Ich rufe Ihre Eltern an!“ Ich: „Wenn Du möchtest, kannst du mir auch einen Eintrag in mein Notizbuch schreiben. Ich habe ADHS und manchmal fällt es mir schwer, mich zu organisieren.“ Sude ruft aus der letzten Reihe: „ICH habe ADHS? FRAU HOLM!!! Habe ich nicht! Das ist gemein. Ich habe das gehört.“ Ich: „Nein Sude, ich meinte nicht dich. Ich meine mich.“ Sude: „Achso. Sie haben das? Wirklich? Ich glaube Emir hat das auch.“ Emir: „Habe ich nicht! Halt die Fresse!“ Der …

Gleiche Chancen für alle? Fehlanzeige! 

In kaum einem anderen Industrieland sind die Bildungschancen so eng mit dem Familienhintergrund verknüpft wie in Deutschland. Das heißt: Die Schule schafft es nicht, unterschiedliche Voraussetzungen auszugleichen. Recherchiert und zusammengefasst von Claire Horst, Illustriert von Irit Mogilevsky Im Berliner Schulgesetz steht: “Jeder junge Mensch hat ein Recht auf zukunftsfähige, diskriminierungsfreie schulische Bildung (…) ungeachtet (…) der sozialen und familiären Herkunft”. Die Herkunft darf also keine Rolle spielen. Leider ist es anders: Die Schule funktioniert gut für Kinder, deren Eltern sie unterstützen können – weil sie genug Geld haben und sich mit dem Schulsystem auskennen. Die anderen haben es schwerer, und das trifft auf viele Kinder im Donaukiez zu.  Berlin Okul Yasasına göre: „Her genç, (…) sosyal ve aile geçmişine bakılmaksızın sürdürülebilir, ayrımcı olmayan bir okul eğitimi alma hakkına sahiptir (…)“. Ne yazık ki durum böyle değil: Okul, ebeveynleri onları destekleyebilen çocuklar için iyi işliyor; çünkü bu ebeveynlerin maddi durumu iyi olup okul sistemine aşinalar. Diğer ebeveynler ise daha zorluk çekmekte. Bu durum, Donaukiez’teki birçok çocuk için de geçerli. ينص قانون المدارس في برلين على ما …

Schule will anders!

Schule – Welche Gefühle löst das Wort bei euch aus? Freude, Neugier, warme Erinnerungen? Wenn nicht: Warum eigentlich nicht?  Wie müsste Schule sein, damit sich alle wohlfühlen und gut lernen können? Und wer sollte darüber entscheiden? Wir haben mit Menschen gesprochen, die sich auskennen: mit Schüler*innen und ihren Bezugspersonen, mit Pädagog*innen und Aktivist*innen. Wir haben eine Schulklasse besucht, eine Straßenumfrage durchgeführt, unsere Bildungswege als Comic gemalt und uns angeschaut, wie Bildungsabschlüsse mit dem sozialen Status zusammenhängen. Klar ist: Schule will anders – und braucht dazu Unterstützung! School, reimagined  School – What feelings does the word evoke in you? Joy, curiosity, warm recollections? If not, why not?  How should schools be so that everyone feels at ease and can learn well? And who should decide that? We spoke with those who know: students and their parents, educators, and activists. We visited a classroom, conducted a street survey, illustrated stories about our school life as comics, and examined how educational achievements are linked to social status. One thing is clear: school wants to reimagine itself – and …

Stimmen aus dem Donaukiez

Wir haben Menschen auf der Kiezrallye gefragt: Was würdest du an unseren Schulen verändern, und wie sieht dein idealer Stundenplan aus?  Interviews und Workshop: Yael Parish und Irit Mogilevsky Mich stört an der Schule, dass wir Unterricht haben!” Grundschüler, 8 Jahre Ich würde gerne mitbestimmen, welche Lehrer*innen an der Schule unterrichten! Mädchen, 11 Jahre “Gemeinsamen Religionsunterricht. Also es gibt ja Ethik, aber vielleicht was Allgemeineres, wo alle Religionen vorgestellt werden und aus den eigenen Biografien berichtet wird.” Frau, Mitte Zwanzig Wenn es nach mir gehen würde, würde ich meine Kinder nicht in dieses Schulsystem schicken. Die hocken da 8 Stunden am Tag. Mein Sohn muss um 8 Uhr in der Schule sein und kommt dann wie ein Halbtoter nach Hause. Vater, ca. 35 Jahre Mir gefällt nicht, dass die Schule so früh anfängt. Mädchen, ca. 9 Jahre Mehr Musik! Und so praktische Sachen. Man lernt so viel Theoretisches. Und wenn man rauskommt, weiß man immer noch nicht, wie man seine Steuern macht. junger Vater Wir könnten kochen lernen und dann unser Essen in der Mensa …